Jungfernfahrt mit dem Kickbike „Tour Max 28“

Kickbike Tour Max 28 mit vollem Gepäck

Vier Tage vor dem Abflug wurde mein Gefährt fertig, da ich so lange auf die Naben warten musste. Schnell wurde alles zusammengebaut. Die ersten Meter waren eine Katastrophe. Zeit für technische Veränderungen fehlte. Zum Glück ging es mit jedem Kilometer besser.

 

Kickbike Tour Max 28 mit vollem GepäckAm Morgen wurden Lenker und Vorbau vom Traczer Green Arrow montiert. Halterung für den RucksackMit diesem Lenker bin ich hochzufrieden. Ich hing die Bremsseile in die Bremshebel und fixierte alle Schrauben. Dann probierte ich mit Spannung die Sonderkonstruktion und hing den neu gekauften Kinderrucksack an den Kickbike-Rahmen. Katastrophe! Nicht nur, dass alles viel zu breit war, es war auch viel zu tief. Es stand für mich in der Sekunde fest, dass ich so unmöglich fahren würde können. Alles Gepäck musste nun in den beiden Seitentaschen und der großen Tasche Platz finden. Die Überraschung war groß: ich brachte alles problemlos unter.

Schon beim Schieben merkte ich, dass alles Gewicht am Vorderrad lastete und das Hinterrad quasi unbelastet war. Kurzes Betätigen der Vorderbremse beim langsamen Schieben und schon kippte das Ding nach vor. Das Zusammenbauen erfolgte im Stiegenhaus vor unserer Wohnung. Da holte ich schnell die Badezimmerwaage, um die Achslasten zu testen. Wenn ich mich nicht verschaut hatte, waren es hinten nur 4 Kilo und vorne 25. Verrückt. Nun probierte ich es mit mir oben. Da waren hinten 40 kg und vorne 60 kg. Das sah schon besser aus.

Erste Probefahrt. Ungeduldig brachte ich den Roller nach unten ins Freie. Traumhaft toll sind die Packtaschen von Ortlieb. Das ist endlich einmal eine wirklich perfekte Konstruktion: widerstandsfähig, wasserdicht, leicht, fest und wohl durchdacht. In zwei Sekunden sind die Taschen vom Gepäcksträger unten und genauso schnell wieder oben. So macht Reisen Spaß. Mit dem Lift fuhr ich nach unten, hing die Seitentaschen ein, gab die große Tasche oben drauf und zurrte diese fest. Hinaus auf die Straße!

die ersten Meter!!!Hiiilfe!!! Das Ding war ja beinahe unfahrbar. Ja, es ging, aber es ging sehr schwer. Zum einen war das Ding spürbar schwerer als ohne Taschen, zum anderen aber erforderte das Halten des Lenkers und das Lenken selbst wirklichen Krafteinsatz. Anfangs fuhr ich nicht schneller als 10 km/h und bangte schon dem Bremsen entgegen. Zweimal hundert Meter, dann wieder Wenden. Ich gewöhnte mich schon ein wenig daran. Die Sonne kam zum Vorschein. Der Tag wandelte sich in eine Freude aus tiefblauem Himmelskleid. So beschloss ich, eine echte Probefahrt zu machen. Packtaschen wieder schnell abmontiert, mit dem Lift hoch, umkleiden, Garmin-Fahrradcomputer an den Lenker klippen, Trinkflaschen füllen, Trinkflaschenhalter montieren, Flaschen einsetzen, Helm auf, Brille auf, Pulssensor umgeschnallt, Handschuhe an, wieder runter zur Straße, alle Taschen am Gepäckträger festmachen.

Ich drückte auf Start und machte mich auf den Weg zum Exelberg, gleich um Steigungen und Höhenmeter zu testen. Nach zwanzig Metern stoppte ich. Die große Tasche wackelte sehr stark. Kein Problem. Ich nahm die Gummispanner, machte sie auf, wickelte sie ein paar Mal um die Lenkstange, um sie dann stark gespannt festzumachen. Jetzt wackelte nichts. Es ging los.

Mit jedem Kilometer ging es besser. Schnell stellte sich ein ganz anderer Fahrstil ein. Alles ging ruhiger. Einmal Schwung machen und dann läuft das schwere Ding. Der Lenker blieb extrem ruhig. Das Bremsen ging auch ganz gut, allerdings beherzte ich mehr denn je das vorausschauende und vorausdenkende Fahren. Nach der Mariahilfer Straße fuhr ich dann kurz über den Gürtel und dann parallel zur Koppstraße stetig bergauf. Jetzt hatte ich es gut drauf. Was mir schon auffiel war das sehr langsame Reisetempo. Trotz Rennbereifung und 6 bar Druck, trotz sehr guter und neuer Naben lief es so als wäre ich auf Sand oder erdigem Boden. Einmal wich ich einem Kanaldeckel aus. Da war es eine ziemliche Herausforderung wieder aus dem Schlangenlinienfahren herauszukommen. Für gewöhnlich geht es einmal nach links, dann nach rechts und schnurgerade weiter. Jetzt aber links, rechts, links, rechts, links, rechts und dann irgendwie tendentiell gerade.

Rucksack und HalterungIch kam ins Schwitzen, nahm ein paar Schluck aus meiner Trinkflasche. Der Puls war sehr tief, angenehm eigentlich. Das Schwitzen kam wohl von der Hitze. Es war ein warmer Tag. Deutliche Muskelbelastung in den Armen. Aus Kanada werde ich ein wenig wie ein Kanadischer Holzfäller nach Hause kommen. Wunschdenken. Aber ein bissl werden die Muskeln wachsen, Steigerungen des Oberarmumfangs im Promille-Bereich.

Exelberg. Eine Art Hausstrecke. Nun war ich wirklich gespannt, wie leicht oder wie schwer ich mir bergauf tue. Würde ich absteigen und schieben müssen? Nein, ganz und gar nicht. Ich machte kürzere Kicks und der Puls ging nicht auf über 155. Die Packtaschen waren voll. Zelt, Schlafsack, Laptop, Kamera, Bekleidung, Werkzeug, etc. waren dabei. So wie jetzt am Exelberg würde ich durch Kanada fahren. Ich war total beruhigt. Es ging wesentlich leichter als gedacht.

Ein Rennradfahrer kam von hinten, fuhr dann mit mir auf einer Höhe und verwickelte mich in ein Gespräch. Er war fasziniert und stellte kluge Fragen. Ich konnte ganz locker mit ihm plaudern, da ich nicht außer Atem war. Nach etwa fünf Minuten fuhr er dann weiter und wünschte mir viel Glück für Kanada. Die Website tritt.at merkte er sich. Zumindest hoffe ich das.

mit vollem Gepäck am ExelbergDa es schon 19:00 war, nahmen die schattigen Flächen massiv überhand. Ich wollte noch ein kitschiges Foto in der Sonne haben. Die letzte Kehre war lichtdurchflutet. Ein weiterer Rennradfahrer fotografierte Wien von oben. Ich fuhr zu ihm und bat ihn, doch ein Foto von mir und meinem Tourenroller zu machen. Gerne kam er meiner Bitte nach und erst als die Fotos geschossen waren, registrierte der Herr Kollege, dass es gar kein Fahrrad war, das er da abgelichtet hatte. Er hatte mich mit den großen Taschen den Berg hochfahren sehen und sich weiters nicht viel gedacht. Jetzt aber kam er aus dem Staunen nicht heraus. Auch er stellte mir gute Fragen und ich erzählte ihm von Kanada und der Website. Eine sehr nette Begegnung war das. Ich fuhr wieder runter. Nach einigen Minuten überholte er mich und wünschte mir noch einmal alles Gute. Ein weiterer Rennradfahrer überholte mich wenig später und hielt den Daumen hoch.

Die Heimfahrt ging schneller, sicherer und besser. Nun war ich mit dem kopflastigen Roller auf Du und Du. 52 km/h hatte ich einmal drauf, unspektakulär, ungefährlich. Schlagartig stieg die Vorfreude auf „Crossing Canada“

mit vollem Gepäck am Exelberg

 

4 Antworten
  1. Johannes-Albrecht Geist-Herz says:

    DU BIST MEIN HELD!

    Lieber Guido!

    Trotz all meiner Sorgen wünsche ich Dir von Herzen viel Erfolg und natürlich auch Spaß für Dein Wahnsinns-Abenteuer!

    Mach’s gut, mein Lieber!

    Alles Liebe,

    Johannes 💚 🌈

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