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Der Heimat den Rücken kehren

DSC_0005_7Eine Art Angst begleitete mich schon mehr als eine Woche. Nun war sie am Höhepunkt. Es sind wenige Dinge vor denen ich mich fürchte und genau ein so ein Ding schlug beinhart zu. Der Anschlussflug verschob sich um einen Tag und mein Gepäck war verschollen. So blieb ich eine Nacht in Paris, allerdings am Flughafen Charles de Gaulle.

Noch zuhause

Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen des „Kofferpackens“. Die Packliste wuchs und wuchs während der letzten Woche, nein, sie wurde optimiert. Das war ein wichtiger und auch spannender Prozess, denn es wurden Gegenstände auch wieder gestrichen oder Stückzahlen halbiert. Wie immer strebt man an, nicht zu viel und nicht zu wenig zu haben. Bei dieser Reise stimmt das in überhöhter Weise. Jedes Gramm ist zuviel, sowohl beim Check-in-Gewicht als auch beim Bergfahren. Jedes fehlende Teil kann kleine oder große Probleme erwirken.

Warum ich vom Packen des letzten Tages erzähle? Weil es bis zum Tag des Abflugs dauern sollte. Die ganz, ganz, ganz große Herausforderung war es, die vielen kleinen Pakete so anzuordnen und zu schlichten, dass alle drei Taschen zuzumachen wären und im Handgepäck keine verbotenen Gegenstände wären. Als ich schon alle Einzelpäckchen hatte, schlichtete ich zwei Stunden lang. Schließlich ging ich erfolglos um 0:20 schlafen. Den Wecker stellte ich mir auf 03:00.

Der Tag begann also mit dem Weckerläuten und dem unangenehmen Gefühl, um 04:30 abzufahren und dann alles perfekt gepackt zu haben. Ich überlegte, worauf ich verzichten könnte. Auf nichts. Alles brauchte ich, vom Tretroller über Reserveschläuche, zweite Pumpe, drei Lesebrillen, Gummiringerl, Pflaster in allen Varianten, Sicherheitsnadeln, und, und, und. Wirklich nichts war entbehrlich. Letzte Werkzeuge brachte ich noch in der Tasche des Rollers unter. Den Fotoapparat brachte ich nicht mehr ins Handgepäck. Den musste ich so tragen. Ein paar Kleinigkeiten stopfte ich mir in das Langarmtrikot, das ich anhatte.

Schnell auch noch ein Besuch bei meiner Bank. Erst gestern klärte ich alles mit der Bargeldbehebung im Ausland. Es war nach der Aktivierung der Freischaltung notwendig, binnen 48 Stunden Geld abzuheben, sonst funktioniert das mit dem PIN nicht. Alles Schikanen, nichts als Schikanen. Als ich erfolgreich von der Bank zurück war, machte ich mich selbst nervös, da ich meine Erst-Lesebrille gerade noch hatte und nun nicht mehr fand. Sie tauchte auf, ebenso Victoria, die Christine und mich zum Flughafen fahren würde.

Alles nach Plan, völlig untypisch für mich. Andererseits steckte viel Arbeit dahinter, tagelange Arbeit. Der Lohn: Ich hatte drei kleine Taschen, die ich ganz alleine tragen konnte. Unvorstellbar, denn das war Transport, Bekleidung und Wohnen für sieben Wochen! Einfach genial, wie wenig man braucht. Genial sind aber auch die verwendeten Materialien und Gegenstände. Ich packte nur das Leichteste ein, achtete aber sehr auf Funktion und Qualität. Links und rechts behangen ging ich zum Auto, ließ mir nicht helfen. Es war eine Generalprobe für Vancouver, wo ich ca. 600 Meter von der Skytrain-Station zum Hostel zu gehen hätte.

Zum Flughafen Wien Schwechat

Der Morgen graute und wir fuhren über nahezu leere Straßen zum Flughafen. Die beiden Damen saßen vorne und ich hinten, ging irgendwie in mich. Die letzten Details wurden besprochen zum Alltagsleben ohne mich. Nichts war neu, alles wurde wiederholt und das gab Sicherheit. Mir gab es auch Sicherheit, zu wissen, nichts vergessen zu haben.

Keine Probleme beim Einchecken

Keine Probleme beim Einchecken

Mich übermannte eine ganz starke Angst. Ich will mich an dieser Stelle nicht zu weit in psychologischer Weise öffnen, aber es ist schon auch erwähnenswert. Wenn es um die großen Dinge des Lebens geht, bin ich eigentlich furchtlos und wenn es um die kleinen Dinge geht, dann erst recht. Also bin ich folgerichtig sehr unerschrocken und mutig. Und jetzt war ich die ganzen Tage in einer Situation wie ich sie zuletzt im Alter von zehn Jahren hatte. Damals fuhr ich in den Ferien auf ein Ferienlager für 14 Tage. Zum erstenmal war ich ohne Eltern weg, ganz ohne Schulfreunde oder anderer Freunde oder wenigstens irgendwelcher mir bekannten Typen, fuhr ich dort hin, von Wien weg in die Steiermark oder nach Salzburg, so genau weiß ich das nicht mehr.

Nie wieder hatte ich das so starke Gefühl des Alleineseins und auch einer gewissen Ohnmacht. Mit dem Erwachsenwerden und mit den vielen verantwortungsvollen Aufgaben, die ich machen durfte oder manchmal auch machen musste, verschwanden solche und ähnliche Gefühle. Dieses Alleinsein und dieses Gefühl der Ohnmacht spürte ich nun, da ich erstmals länger als nur ein paar Tage alleine weg sein würde, noch dazu in einem sehr fernen Land und ich die Sprache der Leute dort auch nicht spreche. Mein Englisch ist grottenschlecht. Dann könnte es auch etwas mit dem Geld geben. Die Kreditkarte oder die Bankkarte könnte von einem Geldautomat verschluckt werden. Wäre ich in einer Gruppe Österreichischer Freunde, wäre alles ganz locker. Einer würde sich am anderen verlassen und zu reden gäbe es auch immer etwas. So aber würde ich Kameraden haben, die ich nicht persönlich kenne (genau wie damals im Ferienlager) und mit denen ich in einer Fremdsprache, die ich nicht gut kann, kommuniziere.

Dinosaurier: In der Tasche verstecken sich das Kickbike Tour Max 28 mit allen Anbauteilen, zusätzlich alles Werkzeug und auch noch Bekleidung für vier Personen!

Dinosaurier: In der Tasche verstecken sich das Kickbike Tour Max 28 mit allen Anbauteilen, zusätzlich alles Werkzeug und auch noch Bekleidung für vier Personen!

Zu diesem sehr unangenehmen Gefühl gesellte sich dann, dass ich als Ehemann und Vater einfach meine Lieben sehr lange im Stich lasse, um einfach meinen Egotrip durchzuziehen. Da hilft es wenig, wenn mir niemand Vorwürfe macht oder Bemerkungen fallen ließe. Sieben Wochen sind eine lange Zeit. Eigentlich ist es ein Sechstel Jahr! So lange bin ich einfach nicht vorhanden. Das ist für mich schon auch nicht schön. Conrad ist gerade mit seinem Freund am Großglockner. So konnte er beim gemeinsamen Verabschieden nicht dabei sein. Unsere Verabschiedung erfolgte schon vor vier Tagen. Das heißt, für ihn bin ich subjektiv gesehen sogar noch länger weg. Das schmerzte mich dann schon.

Abschied und Abflug

Jetzt im Auto und dann am Flughafen steigerten sich diese unangenehmen Gefühle ins gerade noch Erträgliche. Rein vom Ablauf war jetzt alles perfekt. Zum Einchecken stellte ich mich in eine lange Menschenschlange vor dem Airberlin-Schalter. Zwei Schalter waren frei, da sie für irgendwelche Leute einer höheren Preisklasse ihr Dasein fristeten. Christine ging hin und erwähnte mein Zusatzgepäck in Form des „Fahrrads“. Gut gemacht! Schon wurde ich zum VIP-Schalter gewunken. Alles perfekt. Das mit der Buchung über das Telefon hatte geklappt und den Roller musste ich bei den Großgepäckstücken aufgeben. An sich war vorgesehen, dass ich in Paris auschecke und dann wieder alles Gepäck einchecke für den Flug nach Vancouver, also fragte ich, ob man das Gepäck nicht gleich durchwinken könne. Ja, das ging. Und so hätte ich dann nur noch mit dem Handgepäck in Paris auf einen Kaffee und ein Croissant gehen können.

Meine Damen begleiteten mich noch zur Passkontrolle. Ein schönes Gefühl, voll gut in der Zeit zu liegen! Beim Abbusseln ging es dann bei mir nicht ohne Träne. Schlimme Ansteckungsgefahr. Glücklicherweise konnten wir darüber lachen und auch ein wenig traurig sein, aber hauptsächlich lachen. Kurz und schmerzlos. Winke, winke und ich entschwand im Duty Free Bereich, den ich schnell durchschritt. Ja, die normale Welt ließ ich gerade hinter mir. Immer wieder quollen sich hartnäckige Tränen in den unteren Bereich meines Sichtfelds. Ich tröstete mich damit, anders als damals im Ferienlager jeden Tag irgendwie Kontakt aufzunehmen. Außerdem bin ich zwar weit weg, könne aber im Schlimmsten Fall jederzeit wieder zurück.

Flug

Neue Kurzhaarfrisur für die nächsten zwei Monate

Neue Kurzhaarfrisur für die nächsten zwei Monate

Über die nächsten 2,5 Stunden gibt es nicht viel zu erzählen. Kurzes Warten, dann ins Flugzeug marschieren, Leute beobachten, Anschnallen, Starten, super Beschleunigung, Abheben, ganz ruhiger Flug, super Wetter, mickriges Frühstück, sanfte Landung, Stehenbleiben, Aussteigen, kurze Busfahrt zum Gepäckabholen. Zur Sicherheit wartete ich ein wenig. Christine gab mir den Tipp. Es kann nämlich trotzdem sein, dass meine beiden Gepäckstücke plötzlich über das Förderband laufen. Ich wartete bis keine Passagiere meines Flugs erkennbar waren und dann ging ich mit dem Handgepäck flockigen Schritts durch den Zoll. Die Ankunftshalle war klein und leer. Beim Infostand fragte ich, wohin ich mich nun zum erneuten Einchecken wenden solle. Die Dame sah mein Ticket und teilte mir mit, dass diese Maschine erst morgen starte. Waaaaas? Da war es wieder, dieses sich völlig alleine fühlen und ohnmächtig sowieso. Soll ich jetzt in einem Zelt schlafen? Was ist mit dem gebuchten Quartier in Vancouver? Gut nur, dass für Vancouver zwei Tage anberaumt waren und unser Start sich durch meinen Pariser Zusatztag nicht verschieben würde. Ich wurde also 100 Meter weiter gebeten zum eigentlichen Schalter.

Anschlussflug um einen Tag verschoben

Das Gepäck kam gut an

Das Gepäck kam gut an

Viele lange Gesichter. Eine Angestellte sagte mir, dass der Flug von heute 12:00 verschoben sei auf morgen, 10:45. Ob ich jemanden hätte in Paris, wollte sie wissen, räumte aber gleich ein, dass ich in einem nahen Hotel untergebracht würde. Okay, war das einmal geklärt. Nun ging es um mein Gepäck. Damit hatte die Dame nicht gerechnet. Sie fragte eine Kollegin, dann einen Kollegen. Dieser Kollege kam zu mir und sagte, es sei unmöglich, dass das Gepäck von Wien nach Vancouver direkt gehe. Das machen diese beiden unterschiedlichen Fluglinien nämlich nicht. Tja, was soll ich jetzt machen. Das Gepäck war nicht da. Die Angestellte war extrem freundlich und sehr bemüht, nahm alles in die Hand. Sie meinte, es brauche zehn Minuten, dann wisse sie mehr. Und dann klemmte sie sich hinter das Telefon. Ich verband mich währenddessen mit dem Internet und postete die neuesten Neuigkeiten auf Facebook.

Nach zirka zehn Minuten kam die Dame tatsächlich und teilte mir mit, die Stücke seien in Paris, es dauere aber noch einmal zehn Minuten. Etwas länger dauerte es und dann erklärte sie mir, wo genau ich die Gepäckstücke in Empfang nehmen könne. Die Geschichte kürze ich ab, dann sie ist lange und langweilig. Nach einigen Wartereien und Bürokratien fand ich mich dann in einem klimatisierten Doppelzimmer im Ibis-Hotel wieder. Mittagessen, Abendessen und Frühstück seien dabei. Nun war es noch nicht 11:00 und der Tag war sonnig und heiß. Paris ist eine schöne Stadt und sehr gerne würde ich den unverhofften Stopp nützen um die Stadt wieder einmal zu inhalieren.

Unterstützungen von Zuhause

7.7.16, Wolfgang Seili, Kreide auf Waschbetonplatten. Aufmunterung spontan und schnell gezeichnet anlässlich Guidos Zwangspause in Paris

7.7.16, Wolfgang Seili, Kreide auf Waschbetonplatten. Aufmunterung spontan und schnell gezeichnet anlässlich Guidos Zwangspause in Paris

Kleine und ganz wichtige Zwischenmeldung bevor es weiter geht. In der Heimat und dem Rest der Welt verfolgen viele Freunde und Bekannte meine Reiseabenteuer und sprechen mir Mut zu. In einer ganz lieben Weise tat dies mein Tretrollerfreund Wolfgang aus Wien mit einem wahnsinnig schnell gezeichneten Kreisebild. Vielen Dank Wolfgang. Das muss einfach ergezeigt werden! Vielen Dank auch den vielen anderen Aufmunterern!! Zwischenmeldung Ende.

Hotel am Flughafen

Erste Tat im Zimmer nach dem Abstellen der drei Taschen war das Anwerfen des Laptops. WLAN. Jetzt teilte ich der Welt, also Facebook, mit, was Sache sei. Dann schaute ich mir den Stadtplan an. 40 Kilometer wären es zum Eiffelturm. Also 80 insgesamt. Das wäre ein sehr schöner Tag, gemütliches, langsames Rollern und dann einen Kaffee in einem Bistro. Eventuell dann auch den Eiffelturm rauf, einfach so, ganz alleine. Da kamen schon die ersten Facebookmeldungen betreffend des Halbfinales heute Deutschland gegen Frankreich und dass da beim Eiffelturm sicher das geilste Public Viewing wäre. Huch, an Fussball dachte ich gar nicht. Jetzt verstand ich erst, warum so viel Fußballfans am Flughafen waren und Security-Leute. Nix für mich dieses Public Viewing, obwohl ich ja zu den Franzosen helfe.

Endlich Zeit zum Bloggen

Endlich Zeit zum Bloggen

Umdisponieren. Zuerst würde ich Mittagessen gehen, danach den Roller zusammenbauen, um eine kleine Runde zu einem Park mit See zu machen. Das wäre auch sehr schön, sehr neu, sehr sonnig und mit 31 km genau richtig, um danach wieder alles schön einzupacken und endlich mehr am Computer zu schreiben. Haaalt!! Kurzer, schneller „Zwischenfall“. Frederic meldete sich via Facebook-Chat. Er wäre jetzt gerade beim Abflug. Wir könnten uns treffen. So könnte ich ihm gleich das Trikot geben, das ich im Reisegepäck hatte.

Frederic knapp verpasst

Schnell, schnell fetzte ich alles aus der Rollertasche, schnappte das Trikot und lief zum Flughafen. In der Ankunftshalle war er nicht mehr. Wir hatten uns verpasst. Er war, wie er mir jetzt schrieb, schon bei seinem Gate und ohne Boardingkarte konnte ich unmöglich in seinen Bereich gehen und umgekehrt er auch nicht zu mir zurück. Es wäre zu schön gewesen. Wir kennen einander nur virtuell und das seit über 5 Jahren. Jetzt waren wir keine 100 Meter auseinander. Egal. Wir treffen uns einen Tag später und anschließend sind wir so nahe beieinander, dass es uns schon stören wird.

Wieder im Hotel ging es zum Büffet, wo ich ordentlich zuschlug und drei sehr schmackhafte Fische aß, sehr pikant gewürzt mit Bratkartoffeln dazu und einem halben Liter Mineralwasser.

Spazierfahrt bei Sonnenschein

Ein Hotelzimmer wird zum Kickbike-Montage-Platz

Ein Hotelzimmer wird zum Kickbike-Montage-Platz

Danach machte ich mich über das Zusammenbauen des Rollers. Der war ja ziemlich zerlegt in der Tragetasche und weil aufgrund des mehrfachen Ein- und Auspackens in Wien die Päckchen alle ganz chaotisch verstreut waren, wusste ich nicht, wo das Werkzeug wäre oder der Pulsmesser, die Radhandschuhe und dies und das. Immer wieder zwischendurch erdrückte mich das Gefühl, irgend etwas Sauwichtiges doch in Wien gelassen zu haben. Lange Zeit fand ich keine Pumpe, dann nicht das Isolierband, dann wieder nicht den Brustgurt für den Pulsmesser. Am Ende waren alle Teile verstreut im Zimmer UND vollzählig. Perfekt, einfach Perfekt. Meine Packliste ist in anderer Leute Augen nicht perfekt, doch es ist die meinige und alles Erdachte war nun in diesem Hotelzimmer. Das macht dann schon wieder Mut.

Was soll ich zum Thema Mut sagen? Zum Beispiel das Rollerfahren in einer wildfremden Umgebung, noch dazu im eher rücksichtslosen Straßenverkehr, zweimal frech vorbei bei der Polizei, macht mir gar nichts. Da fühle ich mich gar nicht alleine oder verlassen. Eigentlich war der frühe Nachmittag sogar sehr lustig. Nur zehn Kilometer, aber Sonnenstrahlen und, auch wenn es nur die Flughafengegend war, Abwechslung. Dieses Unwohlgefühl der letzten Tage kam nicht mehr. Interessant, wo doch ziemlich genau eintrat, was ich nicht haben wollte. Planänderung, kein Gepäck, fremde, unvertraute Sprache, Ungewissheit, ob das Gepäck erst in ein paar Tagen komme. Jetzt war ich viel cooler. Was alles auch zum Besseren wendete war, dass die Leute alle sehr nett waren, sogar der Typ bei der Passkontrolle in Paris, der mir gefühlte zehn Sekunden ganz tief in die Augen blickte und meine Erscheinung mit der fotografschen Abbildung im Reisepass verglich.

Wovor ich sonst noch Angst habe in einer vielleicht kindlichen Art und Weise? Dass das Geld weg ist und/oder der Reisepass. Das stelle ich mir in der Ferne schön megablöd vor. Auch, wenn Handy und/oder Computer nicht mehr gingen. Das wäre sehr unangenehm, aber wirklich Angst ist das nicht. Nein, das ist einfach ein denkbar schlechter Fall, der eintreten kann, den sich aber niemand wünscht. Ja, und dann könnte beim nächsten Flug noch sein, dass mir vom Zoll etwas weggenommen wird. Konkret denke ich da an meine Medikamente. Ich brauche sie. Was genau bei Nichteinnahme passiert, weiß ich nicht, doch wird etwas Unangenehmes passieren. Und einen Ersatz werde ich in der Ferne auch nicht so schnell bekommen. Daher passe ich besonders gut auf und habe sie an vier unterschiedlichen Orten aufbewahrt, genauso wie Geld oder Lesebrillen. Ja, die Lesebrillen mag ich auch nicht verlieren, obwohl ich keine Angst habe vor dem Brillenverlust.

Entspannen im Hotelzimmer

Komme in Paris an und habe keinen blassen Schimmer, dass das EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich stattfindet

Komme in Paris an und habe keinen blassen Schimmer, dass das EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich stattfindet

Den Nachmittag verbrachte ich mit Tippen und Facebookeln, aber auch mit dem erneuten Zerlegen des Rollers und des noch besseren Einpackens aller Reiseteile. Ich scheiterte kläglich. Übung macht doch keinen Meister. Mir blieben mehr Teile übrig als am Vorabend. Wieder dieselbe Strategie. Wecker früher stellen und in den Morgenstunden dann perfekt packen. Was so komisch ist: diesmal nützte ich den Platz der Rollertasche schlechter.

Abends gab es wieder ein Büffet, ziemlich üppig und gut. Mir kamen das Essen und das Trinken hier vor wie das Essen und Trinken auf Vorrat. So gut werde ich so bald ganz sicher nicht essen. Ähnliche Überlegungen gab es dann im Zimmer. Ich duschte nämlich ausgiebig im warmen Wasser und nahm reichlich Flüssigseife vom Seifenspender, so als könne man auf Vorrat duschen. In nächster Zeit wird wohl seltener geduscht und dann eher kalt. Wenn ich mich abtrockne, dann mit dem dünnen Kunstfasertuch.

Müde legte ich mich ins Bett, genoss noch einmal das „richtige“ Bettzeug und sah ein paar Minuten das Halbfinale im TV. Der Wecker war gestellt für 5:30. Obwohl Abflug ist um 10:45, will die Fluglinie, dass man um 7:00 kommt um das Gepäck aufzugeben. Müde war ich vom Tag, vom Vortag und den Vortagen. Und morgen wäre ein sehr langer Tag, auch durch die Zeitverschiebung. Ich sah vom Fussballmatch genau eine Minute, dann drehte ich ab, deckte mich zu und war auch schon im Land der Träume.

Galerie

Heutige Fahrt

10 Antworten
  1. Gaby says:

    Lieber Giido, ich kann dich beruhigen, 7 Wochen sind nicht ein Sechstel des Jahres, sondern ein 7,5stel – das Jahr hat 52 Wochen 😀. Ich wünach dir aber für dein Abenteuer alles erdenklich Gute und viele unvergessliche Eindrücke. Und in sieben Wochen bist du wieder bei deinen Lieben 😊.

    Antworten
  2. Peter Thurner says:

    Hallo lieber Guido!

    Kommst Du beim Verfassen des ausführlichen Blogs überhaupt zu anderen Dingen ;-)?
    Ich werde Deinen „Ausführungen“ jedenfalls regelmäßig folgen udn wünsche Dir für Kanada alles, alles Gute!

    Peter
    P.S.: Dass Du im Sommer für ein paar Wochen weg bist, kann ICH gut verschmerzen! Da liegt mir Deine Giro-Teilnahme im nächsten Jahr schon eher im Magen ;-)!

    Antworten
    • Guido Pfeiffermann
      Guido Pfeiffermann says:

      Hallo Peter,

      Giro wie? Giro wer? Ich bin momentan klarerweise voll im Hier und Jetzt. So viel schreiben wie jetzt im Hotel kann ich später nicht mehr, auch werde ich nicht täglich Internetzugang haben. Aber Fotos wird es sicher jede Menge geben und kürzere Berichte ebenso. Danke für die interessierte Treue beim Lesen. 😉

      Servus Guido

      Antworten
  3. Christian says:

    Lieber Guido!
    Fantastisch, was Du erlebst und wie Du es schreibst – als wäre ich live dabei (lieber nicht)!
    Auch die website wirkt voll professionell – bist a Bursch, du mochst des scho!

    hugs & bugs, Dein Schüttelkumpane
    (ka Frau, na bumm, kaane?) 😀

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  4. Harald W.A. says:

    Hi Guido!

    Du schreibst Dir ja echt von der Seele weg. Ich denke, es ist normal, dass Dich das so mitnimmt. Aber das ist schon ein Teil des Abenteuers. Die Kilometer und Zahlen sind nichts verglichen mit deinen Erfahrungen des Trips. Alleine zu sein, alles bei sich zu tragen und ein Vorhaben ohne Erfolgs-Versicherung durchzuziehen. Auch wenn es unangenehm ist – und es wird ja erst wirklich unangenehm (Brumm!) – dann denk, das ist der Teil der Reise, der am schnellsten vergessen oder zu einer lustigen Anekdote wird.

    In Wirklichkeit kann Dir eh nicht so viel passieren. Die meisten bürokratischen Probleme kann man mit Zeit und Geduld lösen, die logistischen mit Geld und Geldprobleme mit Straßenmusik. Um den Rest wirst Du dich schon kümmern.

    Wenn Du mürb wirst, denk‘ vielleicht, worum Dich die Zuhausgebliebenen beneiden und für Deine Familie befindest Du dich am morgen ja auf dem Rückweg.

    Fahr‘ jetzt so schnell zurück nach Osten, dass der Jetlag gar nicht erst wirkt.
    Liebe Grüße und bis Bald,
    Harald

    PSe:
    – Zu den Medikamenten drucke Dir vielleicht einen englischen Beipackzettel aus.
    – Schaue bei WordPress, dass die Bilder bei einem Klick das Foto aufmachen. Das geht bei einer Größenanpassung oft verloren. Zum Checken einfach die Maus über den Artikel ziehen.
    – Die Bilder müssen für WordPress nicht wirklich verkleinert werden. Praktisch für Leute mit großem Monitor oder wenn ich ein PDF aus Deinem Blog zaubere. 🙂
    – 2 Luftpumpen finde ich schon sehr schräg 😉

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    • Guido Pfeiffermann
      Guido Pfeiffermann says:

      Die Seele vom Leib wird im nächsten Beitrag geschrieben. Die Bilder sind im Original 25mal so groß. Das kostet auch Traffic. Die PDF im Anschluss werde ich anders zaubern. Danke für Deine brauchbaren Tipps bis hn zum Verindern des Jetlags!!

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