Mein „Chuck Jelen“

Kickbike Tour Max 28 mit vollem GepäckWas das Reisen mit Tretroller anlangt habe ich einige Vorbilder. Martina ist da ganz vorne im Ranking. Ihr Reiseroller hat einen Namen, nämlich Greta. Irgendwann kam mir die Idee aufgrund der Besonderheit von Crossing Canada meinem speziellen Kickbike auch einen Namen zu geben. Es, oder besser gesagt er, hört von nun an auf Chuck Jelen.

Ein Name muss eine Bedeutung haben, finde ich. Kurzerhand machte ich aus dem Kickbike Race Max 28 das Kickbike Tour Max 28. Hannu gibt den Kickbike-Modellen immer Namen, die mit „Max“ enden. Ein „Tour Max“ gibt es noch nicht. Ein treffender Name, wie ich finde. Vielleicht nimmt Hannu nach meiner Reise die Idee auf und produziert einen Tourenroller mit Gepäckträger vorne.

Auch wenn der neue Name ganz gut und auch maßgeschneidert ist, so hat er so gut wie nichts Persönliches an sich. Ein Weggefährte für über 5.000 Kilometer muss jedoch etwas Persönliches haben. So dachte ich an meine Jugendträumereien von Kanada und an meinen Freund Earl (siehe meinen Beitrag). Ja, „Earl“ könnte ich meinen Kanada-Spezialroller taufen. Ganz überzeugte mich der Name nicht. Zu einsilbig und vor allem assoziiert man damit einen Britischen Adeligen. Etwas anderes musste her.

Milan JelinekUnd da spielte König Zufall eine wichtige Rolle. Milan Jelinek ist eines der schillerndsten Originale in der Tretrollerszene. Ich lernte den heute 61-Jährigen im Rahmen der Feierlichkeiten zum erfolgreichen Beenden von Kickfrance2013 kennen. Später erst erfuhr ich, dass Milan so wie ich auch ein Gastfahrer bei der Tour war. Die Burschen des Kernteams erzählten später wie sie sich um die Gesundheit des alten Mannes sorgten. Heute tut das keine mehr und über die Einschätzung von einst kann man nur lachen. Der Haudegen mit langem grauen Haar und grauem Vollbart ist in Wahrheit das allerärgste Ausdauer-Viech überhaupt. Im Langlauf über 200 km hängt er die Jungen ab und bei einem Rennen quer durch Tschechien holte er auf den Zweitplatzierten eine Stunde Vorsprung heraus.

Eigentuch nennen ihn alle Jelen. Jelinek heißt Hirschchen, also „kleiner Hirsch“, während Hirsch ganz einfach „Jelen“ heißt. Er ist sozusagen ein großer Hirsch und das meine ich jetzt durch und durch im Positiven. Letzten Sommer war ich mit vier Tschechischen Freunden am Großglockner und in den Dolomiten. Jelen war einer von ihnen. Er trat bei Steigungen noch an wo alle anderen abstiegen und schoben. Paris-Roubaix fuhr er freilich auch mit.

Diese Kurzbeschreibung ist wichtig, um den Zufall und die Namensgebung meines Rollers zu verstehen. Wenige Tage vor meinem Abflug sah ich den weißichwievielten Post eines Rennens mit Jelen dabei. Wieder wurde er Erster oder Zweiter. Wirklich jedes Wochenende ist er bei einem Rennen oder stellt persönliche Rekorde im Cross-Rollern auf. Jetzt wo ich in Kanada bin wird er bei der Salzkammergut-Trophy mitfahren und wohl meinen bestehenden Streckenrekord pulverisieren. Ich kommentierte seinen letzten Facebook-Eintrag mit der Frage, ob er denn überhaupt noch irgendwann schlafe oder nur am Kicken sei.

Dies kommentierte wiederum eine Tschechien, die meinte, Jelen habe mit Chuck Norris gemein, dass er bereits Finisher sei, wenn er noch am Start wäre. Und da hatte ich lebhaft die Bilder von den Dolomiten im Kopf, wo uns Jelen davon zog, seine Haare im Fahrtwind wehten und vom Bart der Schweiß tropfte und wie er in den Mittagspausen nichts aß und auch nur schlückchenweise trank und wie dann Lada zu mir meinte, Jelen fühle sich immer inmitten eines Rennens, auch wenn wir nur in den Bergen spazieren fahren.

Damit war für mich der Name geboren: CHUCK JELEN. Perfekt. Es klingt melodisch wie Chuck Norris, meint aber den Mister Norris unter den Tretroller-Fahrern. Für mich ist Jelen der Inbegriff des Ausdauersportlers Marke „no limits“. Was noch unerwähnt blieb ist mein Verhältnis zu ihm. Er spricht faktisch kein Englisch und die wenigen Brocken seines Deutschs und meines Tschechischs reichen nicht aus, wirklich eine Unterhaltung zu führen. Trotzdem verstehen wir einander sehr gut. Ich glaube, er sieht in mir irgendwie so eine Art kleiner Ausgabe eines Österreichischen Milan Jelinek. Gerne grinsen wir uns an und wenn wir gemeinsam Rennen fahren, dann gerne Kopf an Kopf. Und weil er ein Seelenverwandter ist, Sportsfreund und Vorbild, ist er in Kanada tagtäglich bei mir, zumindest als Namenspatron meines Tour Max 28.

1 Antwort
  1. Oskar says:

    Guido, „alter Treter“, du hast den Hang zum Gschichtl drucken…. gefällt mir. Bin schon auf dein erstes Buch gespannt über deine Kanada Reise…. 🙂
    Mein „Lupo“ (mein Tretroller) und ich würden uns sehr freuen, wenn du die Tour gut überstehst, einen Spitzenplatz belegst.
    Also, viel Spass bei deinem Unternehmen….
    Liebe Grüße uns so….. OJ

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