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08 – Lake Louise

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Ja, wir waren in Lake Louise heute, allerdings nur im Ort und nicht beim doch recht hohe gelegenen See. Das war aber nicht die einzige Attraktion des heutigen Regentages. Mir tat es der Spiral-Tunnel an. Landschaftlich kann ich leider wenig vermelden, da die wirklich tollen Berge wolkenverhangen waren. Ein sehr gemütlicher Ritt war das aus meiner Sicht.

Zeitumstellung!

Die Abfahrt war geplant für 07:00. Daher waren all unsere Wecker auf 06:00 gestellt. Um 5 Uhr früh läutete Frederics Wecker. Er stand auf und riss die Vorhänge auf um das Zimmer lichtzudurchfluten. Da machte ich ihn darauf aufmerksam, dass er eine Stunde zu früh dran sei. Nun läutete auch Josefs Wecker. Er stand auf. Es sei tatsächlich 6. Schließlich hatten wir gestern unsere erste Zeitzonengrenze überfahren. Ein großes Schild habe darauf hingewiesen. Schade, dass ich das nicht mitbekommen hatte. Das wollte ich nämlich unbedingt fotografieren. Wichtig scheint mir aber eh die nächste Grenze. Dann nämlich können wir von uns behaupten, eine ganze Zeitzone durchgefahren zu sein, quasi ein Vierundzwanzigstel des Erdumfangs am Breitengrad unserer Route. Meiner beiden Kameraden Handys haben eine automatische Zeitumstellung. Ja, noch etwas ist spurlos an mir vorübergegangen. Wir hatten British Columbia, oder wie man kurz sagt BC, verlassen und befanden uns nun in Alberta.

Unsere Nacht dauerte also eine Stunde kürzer. Meine ganz besonders. Ich war ja bis Mitternacht im Badezimmer tippen. Meine Füße hatte ich auf einem feuchten Handtuch gehabt. Daher waren sie ziemlich nasskalt und diese Kälte hielt dann leider auch im Bett an und des Nachts wurde ich deswegen immer wieder munter.

Frühstück

Jetzt hieß es schnell zusammenpacken und Frühstück essen gehen. Bei diesem Motel war auch ein Frühstück dabei. Sehr angenehm. Wir hatten uns gestern nicht verhört. Das Frühstück gab es hier schon ab 3 Uhr in der Früh. Ich brauchte im Zimmer wieder einmal am längsten. Daher kam ich zum Frühstück nach. Mir ist echt etwas entgangen, mengenmäßig zumindest. Die beiden anderen waren bald fertig und so schaffte ich nur drei Toasts, einen Muffin, Kaffee und Orangensaft. Vielleicht war es eh gut so. Mir hätte es sonst im Magen gedrückt.

Als ich mir beim Buffet Orangensaft nachschenkte, kam ein älteres Paar mit leeren Bechern angezappelt. Ich schenkte zuerst ihr ein, dann ihm, schließlich auch mir. Das Paar erkannte uns an der Kleidung. Gestern hätten sie uns vom Pass runterfahren sehen. Sie freuten sich, uns kennen zu lernen. Und wir freuten uns, ein wenig prominent zu sein.

Für mich war es dann, wie gesagt, ein schneller Aufbruch. Wir schmissen den Schlüssel unserer nächtlichen Bleibe in den dafür vorgesehenen Briefkasten, machten uns regenfertig und rollerten zur ersten Tankstelle. Dort kauften wir Proviant ein. Ab ging es Richtung Banff. Anders als gestern waren meine Schuhe nun schon nach weniger als zwei Kilometern innenseitig oben und unten nass. Anders als gestern jedoch war ich bekleidungstechnisch viel besser drauf. Ich hatte ein Langarmshirt, darüber die winddichte Atex-Jacke mit unserer Crossing Canada Aufschrift und darüber die dünne Regenjacke. So wurde es mir nie kalt und richtig heiß auch nicht.

Wieder Regen

DSC04525Das Heißwerden und Schwitzen hatte ich unter Kontrolle. Ich achtete auf meinen Puls, den ich nie auf über 140 klettern ließ, meist war er bei 125. Vor wenigen Tagen noch wäre ein so tiefpulsiges Fahren undenkbar gewesen. Heute ging es nämlich gefühlt ständig bergauf, zwar nie besonders steil, aber 6% werden es immer wieder einmal gewesen sein. Josef, der meist die Richtung vorgab, schob heute sehr oft. Dann überholte ich immer tretend, da ich noch gar nicht so recht auf Temperatur war.

DSC04527Heute war körperlich gesehen mein Tag. Wir fuhren, wie sich zeigen wird, 111 km und 1300 hm, und ich trank unterwegs gerade einmal 0,35 Liter Wasser. Ich spürte kaum den Steigungswiderstand. Der Regen war quasi nicht existent solange wir uns bewegten. Gut, wir waren mit einem Schnitt von 15 km/h auch eher ruhiger unterwegs, doch so gut wie ich mich fühlte, fühlten sich die Kameraden heute wohl nicht. So etwas kann sich aber jederzeit ändern, auch ins krasse Gegenteil.

DSC04529Von Golden weg ging es sofort bergauf und das längere Zeit. Allmählich kletterten wir in immer luftigere Höhen. Links und rechts der Straße mussten mächtige Berge sein. Man konnte deren Mächtigkeit nur erahnen. Ab und zu boten sich Wolkenlücken und dann sah man Felsen oder Schneeflächen. Die kühlend frische Luft einatmend tänzelte ich die Anstiege hoch. Oben wartete ich auf die beiden. Einmal stand ich in einer Autobahnbucht, hielt den Lenker fest, stand breitbeinig da und schloss die Augen zu einer Art Meditation. Was man so alles hören kann! Zunächst hörte ich nur die Fahrgeräusche der vorbeizischenden Autos. Regenwasserspritzgeräusche, bei Harleys hauptsächlich Auspuffgeräusche, bei Trucks das Brummen der Motoren. Kaum aber pausierte der Straßenlärm ein wenig, vernahm ich das Rauschen eines kleinen Baches und Knistern im Gehölz. Auch das Plätschern der Regentropfen konnte man hören, ganz leise. Der Bach hingegen dominierte alles. Als nun die Autos wieder vorbezischten, schaffte ich es, weiterhin das Rauschen des Baches zu hören. Das hatte schon Qualität.

Bäche begleiteten uns ständig. Von den felsigen Bergen herab schossen immer wieder, ich würde fast sagen mindestens alle 500 Meter, kleine Bäche frischesten Wassers, die dann in einen Fluss mündeten. Den Fluss, der eine sehr starke grünliche Färbung hat, begleitete uns auch eine sehr lange Zeit. Die Canadian Pacific ebenfalls. Vorgestern das große Thema Eisenbahn war gestern auch noch ein großes Thema und heute sollte es das noch werden.

Wasser unterwegs

Zum Thema Trinkwasser muss ich einfügen was einen großen Unterschied von uns drei Fahrern ausmacht. Es ist die Mitnahme von Wasser. Rückblickend ärgerte ich mich über die knapp zwei Liter, die ich heute mitgehabt hatte. Zu viel Gewicht musste ich so den Berg hochschleppen. Bekanntermaßen trank ich nur 0,35 Liter. Mit einer einzigen Miniflasche wäre ich durchgekommen. Wäre diese leer geworden, wäre ich einfach zu einem Bächlein gegangen und hätte in einer Sekunde die Flasche voll mit wertvollstem Hochquellwasser. Meine beiden Freunde tranken wohl ein wenig mehr, schleppten sich dafür mit 6 Litern ab. Frederic trinkt besonders viel, schwitzt auch viel, hat sehr viel an, heute etwa zwei Goretex-Jacken übereinander und darunter auch etwas Langärmeliges. Bei seiner Australiendurchquerung hatte er bei einer langen Etappe unglaubliche 36 Liter Trinkwasser bei sich. Damals wussten sie, dass fünf Tage keine menschliche Zivilisation und damit Trinkwasser zu erwarten sei. Aus diesen Erlebnissen vor zwei Jahren heraus, fährt Frederic wohl immer mit großen Wasserreserven. Am Berg nicht sehr vorteilhaft.

Technikvergleich

Die Überlegungen zu unterschiedlichen Zugängen bringt mich zur Teilbeantwortung zweier Fragen Helmuts, eines treuen Blog-Lesers. Er möchte mehr wissen über die Technik und damit auch Tauglichkeit der drei sehr unterschiedlichen Tretroller und er möchte mehr wissen, welche sportlichen Vorgeschichten die drei Protagonisten, also die Tretenden, haben. Gerne erzähle ich ein wenig, wobei ich auf die Technik wirklich nur am Rande eingehen werde. Die drei Tretroller sind allesamt umgebaut und daher vom Serienprodukt entfernt. Die Umbauten sind sehr maßgeschneidert und individuell. Die größten Unterschiede erkennt man an den Lenkerhöhen, Lenkerbreiten und Griffgeometrien. Bei jedem Auswuchs stecken Überlegungen dahinter. Jeder von uns Dreien kann nur mit seinem eigenen Roller gut fahren. Frederic hat den Lenker auffallend tief. Er ist auch der Kleinste von uns und er pflegt eine ziemlich nach vorne liegende Trittechnik. Auffallend ist seine Lenkerbreite, die Autobuslenkraddimensionen hat. Ein anderes Extrem ist Josef, dessen Lenker höher ist als der meine, wobei Josef kleiner ist als ich. Er steht dadurch sehr aufrecht, was ic im übrigen auch mache. Josefs Arme sind zu jedem Zeitpunkt abgewinkelt, während meine Arme zu jedem Zeitpunkt fast durchgestreckt sind. Ich finde meine Körperhaltung am angenehmsten. Bei mir gibt es nur eine Art den Lenker zu greifen und in dieser Haltung fühle ich mich so wohl, dass ich nicht an ein Umgreifen denke. Meine beiden Mittreter denken da ganz anders. Sie wollen umgreifen und so bieten ihre Lenker viele Möglichkeiten, die Hände anders zu platzieren.

DSC04522Klar kann ich jetzt ganz stark ins Fachsimpeln fallen, da tatsächlich die drei Roller grundsätzliche Unterschiede vorweisen, die nicht uninteressant sind. Ich fachsimple ganz bewusst nicht, da diese Reise kein Testbericht ist, kein Materialvergleichstest. Ein Urteil erlaube ich mir jedoch und das kommt für alle die mich tretrollerig kennen wohl unerwartet: Mir gefällt Josefs gelber Mibo am besten, rein optisch betrachtet und ganz speziell für das Reisen. Technisch gesehen ist das sehr tiefe Trittbrett extrem fein, das nicht auf Kosten der Bodenfreiheit geht.

Eines weiß ich jetzt am Tag 8 schon ganz genau, nämlich was alles an meinem Roller zu verbessern ist um ihn zu einer richtigen Tourenmaschine zu machen. Die meisten Verbesserungen sind beim Gepäckträger zu machen, auch beim Vorbau des Lenkers.

Einen Kotflügel brauche ich unbedingt auch vorne. Dann denke ich, dass Scheibenbremsen auch besser wären. Abschließende Erkenntnisse werde ich nach meiner Reise niederschreiben und im nächsten Projekt umsetzen.

Die Vorgeschichten der drei Helden

Und nun zur anderen Frage, den Vorgeschichten der drei Burschen. Ein wenig muss ich ja plaudern heute, denn bei diesem Regen und diesen Wolken gibt es von der Autobahnfahrt nicht so viel Spannendes, außer nach dem Mittagessen, also abwarten. So ganz genau kenne ich die Vita meiner Spezis nicht. Am unbeflecktesten ist Josef. Von ihm weiß ich nur, dass er die 16. Etappe bei kickfrance2013 mitfuhr. Das war das Erklimmen des Mont Ventroux. Irgendwann nahm er auch bei einem Eurocup-Rennen teil. Das war in seinen Tretroller-Anfängen, weshalb er auch ziemlich hinten landete. Josef ist aber so ziemlich der Fitteste von uns. Er wiegt nur 63 Kilo und besteht bei genauerer Betrachtung nur aus Muskeln. Zum Tretrollerfahren kommt er in seiner neuen Heimat Edmonton klimatisch bedingt nur sehr wenig. Dort ist bis Mai Winter. Deshalb ist er die meiste Zeit Langlaufen. Das Langlaufen ist im Klassischen Stil dem Tretrollerfahren nicht unähnlich. Josef möchte nächstes Jahr einen neuen Tretroller-Rekord aufstellen bei der Querung Nordamerikas. Dies allerdings mit einem Begleitfahrzeug, da es dann wirklich nur um Geschwindigkeit gehen soll. Gemeinsam mit Crossing Canada hat Josef dann ganz ordentlich etwas vorzuweisen.

So einiges vorzuweisen hat auch Frederic. In 24 Stunden kam er weiter als ich. Wenn ich mich recht erinnere waren es 419 oder 417 Kilometer. Hier in Kanada erzählte mir Frederic, dass es auch knapp 3000 hm waren. Dann fuhr er einmal auch knapp 600 km non stop. Das war für die Qualifikation Paris-Brest-Paris. Er schaffte nur so an die 580 und konnte sich damit nicht qualifizieren. Das wahrscheinlich größte Ding aber war die Australien-Querung mit dem Tretroller vor zwei Jahren. Dies war in den meisten Aspekten gewiss eine Stufe ärger als unsere Kanada-Querung. Man kann die eine Herausforderung aber schwer mit der anderen vergleichen. Man kann nicht einmal unsere beiden 24-Stunden-Fahrten miteinander vergleichen, da überall die Bedingungen andere waren. Frederic ist jedenfalls ein echter Vielfahrer. 10.000 km im Jahr sind bei ihm ganz normal. Die 1000 Meter machte er einmal in 2 Minuten und 5 Sekunden. Mir kommt das sehr schnell vor. Ich selbst hatte es noch nie gemessen.

Ja, und dann gibt es noch mich. Der Tretroller hat auch in meinem Leben einen hoen Stellenwert und ich benütze ihn täglich, trainiere viel. Zu verbuchen an Highlights habe ich die Etappen 18, 19 und 20 bei kickfrance2013, Paris-Roubaix, Salzkammergut-Trophy Strecke B und Austria-S-N in 24 Stunden.

Jetzt aber wieder zurück zum aktuellen Geschehen, mitten hinein in das größte Abenteuer am Trittbrett: Crossing Canada 2016. Dieses Abenteuer eint uns drei und wir werden es in die Aufzählung unserer Großtaten aufnehmen und bei einer Reihung derselben wird es ganz oben stehen. Eine kleine Esspause gab es und dann, ziemlich genau bei Halbzeit, also nach 55 Kilometern, die richtige Mittagspause. An einem See gab es ein Touristen-Zentrum. Dort wollten wir auch richtig einkehren um warm zu speisen, koste es was es wolle. Unsere Finger und Füße waren kalt und so zur Tageshälfte wäre eine gesunde Belohnung nur richtig und gut.

Ab ins Trockene, koste es was es wolle!

DSC04533Restaurants waren erst im Ort namens Field auf einer ziemlichen Anhöhe zu finden, also kickten wir rauf. Das Restaurant war auf Trüffel spezialisiert und es war schwer einen Platz zu bekommen. Wir bekamen aber einen. Als wir rausgingen, standen mehr als zwanzig Leute vor dem Eingang Schlange, mitten im Regen. Das Restaurant, dies ist nicht unwichig, bot vielleicht 50 oder 60 Gästen Platz. Wir speisten gut und es kostete ein wenig, aber das war es uns durch und durch wert. Was sehr angenehm war, hier und in anderen Lokalen, war das gratis Wasser und das ständige Nachschenken wenn das Glas leer war. Meine Trinkwasserbilanz heute muss also korrigiert werden. Im Restaurant trank ich etwa 0,7 Liter Wasser und dann auch noch 0,25 Liter Kaffee. Beim Kaffee ist es auch so, dass man einmal bezahlt und dann ohne Ende nachgeschenkt bekommt. Uns blieb leider nicht die Zeit, um uns mit Kaffee niederzuschütten. Der Kaffee war nämlich so heiß, dass er erst nach 5 Minuten schlückchenweise trinkfertig war. Ich benützte die eine Tasse mit Begeisterung zum Wärmen der Finger. Diese waren nämlich noch nach dem Verspeisen des großen Burgers (mit Trüffel!) und der reichlichen Beilagen kalt durch und durch.

Gerade als wir uns an die Wärme gewöhnt hatten, bezahlten wir und verließen das Lokal. In Erinnerung wird mir noch der junge Kellner bleiben. Das Bürschchen war vielleicht 16 Jahre und wirklich ein Bubi. Er war von Natur aus lustig und ungeniert blödelnd, mit allen Gästen. Bei jedem Tisch brachte er die Leute zum Lachen und er führte simultan ganz viele Gespräche. So im Vorbeigehen bei einem Tisch setzte er dort fort wo er zuvor aufgehört hatte zu erzählen. Neben uns waren g’standene Männer, so um die 40, solche von der Langhaar- und Tattoo-Truppe. Da ergab es sich, dass sie aufgrund einer ganz kleinen Bemerkung des Bürschchens eine Minute lachen mussten. Sie lachten ihn aber gewiss nicht aus. Nein, er musste irgend etwas goldrichtig platziert zu ihnen gesagt haben. Er ist ein Naturtalent.

Ab in die Nässe, ab in die Kälte

DSC04536Draußen watschte uns die nasse Kälte ab. Es kam aber noch schlimmer. Nach dem Hinabrollen des Berges standen wir vor den Schienen, da ein Canadian Pacific langsam vorbeirollte, jeder Wagon hatte zwei Container übereinander. Der Zug rollte sehr langsam und blieb dann letztlich einfach stehen, blockierte damit die Straße. Viele Autos hatten schon gewartet als wir ankamen. Die Scheibenwischer liefen und wir standen im Regen, waren körperlich überhaupt nicht angeheizt und froren.

DSC04537Das Warten sollte geschlagene 15 Minuten dauern. Irrsinn! Der Zug stand andauernd, zweimal bewegte er sich um eine halbe Wagonlänge nach vor. Ach, was hätten wir in dieser Zeit Kaffeetrinken und Finger aufwärmen können. Unterkühlt rollerten wir nur zweiundert Meter weit und gingen in das Touristen-Zentrum. Josef hatte uns schon beim Essen vom Spiral-Tunnel erzählt. Ein Modell davon wäre in diesem Touristen-Zentrum und bald würden wir den Tunnel auch in natura sehen. Was das genau sei? Nun, der Zug muss eine gewisse Höhendifferenz zurücklegen und da es nun einmal physikalisch eine Maximalsteigung gibt für den Zug, würde er diese Höhendifferenz nicht in einem normalen Tunnel schaffen. Daher windet sich der Tunnel durch den Berg nach dem Prinzip der Wendeltreppe. Eine, wie ich glaube, weltweit einmalige Sache. Zuhause muss ich dann in Ruhe nachlesen, ob es so etwas vielleicht doch nicht irgendwo sonst gäbe.

DSC04539Beim Fotografieren und beim Besuch des Souveniershops fiel uns zeitgleich ein, dass wir in British Columbia, am besten schon in Vancouver, Pickerln kaufen hätten sollen. Jetzt sei es zu spät. Den ersten Sticker wird sich jeder dann in Banff kaufen und als Trophäe auf seinen Roller kleben. Vor dem Shop wurden wir von Französisch sprechenden Leuten angesprochen. Jetzt war Frederic in seinem Element. Endlich konnte er palavern. Er scheint ein richtiger Blödler zu sein. Er unterhielt die Gruppe Interessierter nämlich außergewöhnlich gut.

Bären knapp verpasst

Ha!!!! Da muss ich noch schnell etwas erwähnen. Frederic redete gestern bei Mc Donald’s mit zwei Angestellten auf Französisch. Da erfuhr er, dass wenige Stunden vor unserem Eintreffen ein Scharzbär in unmittelbarer Nähe des Fast-Food-Restaurants war. Und wir dachten immer, Bären seien letztlich nur ein Märchen.

Spiral-Tunnel

DSC04554Nach der Französisch-Plauderei setzten wir unsere Reise fort, begaben uns auf die Autobahn und machten wieder Höhenmeter. Es regnete weniger. Die beiden Burschen schoben ihre Roller und ich trat rauf. Jetzt waren wir bei der Aussichtsplattform zum Spiral-Tunnel. Hier machten wir Halt. Viele Infotafeln ließen keine Fragen offen zum Entstehen des Bauwerks. Etwa zwanzig Leute warteten auf den nächsten Zug. Uns wurde das Warten irgendwann zu blöd. Gesehen hatten wir alles, nur eben nicht den fahrenden Zug. Weiter ging es. Der höchste Punkt lag dann bei 1800 Metern.

Welcome to Alberta

DSC04571Wieder Nebelschwaden und feuchte Kälte, die ich aber als ganz angenehm empfand. Neben der Autobahn war eine alte Eisenbahnbrücke aus Holz. Sie war abgesperrt und ist nichts mehr als ein Erinnerungsstück aus längst vergangenen Zeiten. Eine Infotafel verriet mehr dazu. Unterhalb der Brücke floss abenteuerlich grünes Wasser, das oberhalb der Brücke weiß schäumend war. Stundenlang hätte ich dem fließenden Wasser zuschauen können. Ich musste weiter.

DSC04564Irgendwo muss dann der höchste Punkt gewesen sein, denn das grüne Wasser floss in unsere Fahrtrichtung. Woher kam nur so viel Wasser? Es gab dann einen kleinen Rastplatz mit einer übergroßen Tafel mit der Aufschrift „Welcome to Alberta. Wild Rose Country“. Hier mussten wir unbedingt ein Gruppenfoto machen. Ich fragte einen Herren, der in der Nähe war. Er stellte sich gerne zur Verfügung und fragte, ob dies ein „Step“ sei. Darauf antwortete ich mit einer Gegenfrage auf Deutsch, ob er nämlich ein Holländer sei. Nur in den Niederlanden sagt man Step dazu. Ja, er war Holländer und wir unterhielten uns ganz gut hier. Er fotografierte uns gerne und im Gegenzug musste er uns mit seinem Handy auch fotografieren dürfen. Na klar!

DSC04569Dann ging es den Pass runter. Es nieselte ganz leicht. Wir waren nun am Weg nach Lake Louise. Als Option hatten wir noch, etwa 300 Höhenmeter von diesem durch den Wintersport weltberühmt gewordenen Ort höher zu fahren um dann am Lake zu sein. Vom Pass weg war es noch eine ganze Weile bis wir in Lake Louise waren. Die Autobahn war nun viel breiter und auch schöner. Der Wald hinter dem autobahnnahen Grünstreifen war eingezäunt. Leider waren das dann auch die Bäche. Man konnte also keine schönen Fotos der kleinen Wasserfälle machen. Diese Autobahn war in einem breiten Tal und man sah endlos weit. Meist ging es bergab, sodass die Fahrt so richtig Spaß machte. Der Regen setzte einmal ein, dann war er wieder weg. Auffallend auch, dass es mit einem Mal weniger Pick Ups und Wohnmobile gab. Wir waren also doch in einer anderen Gegend. Die Verkehrsschilder sahen auch anders aus.

Lake Louise

DSC04573Wir fuhren dann irgendwann also in Lake Louise ein und fotografierten uns gleich bei der Ortseinfahrt. Dann ging es zum Supermarkt. Alles hier sah sehr teuer aus, irgendwie Lech am Arlberg oder St. Anton. Es sah nicht nur so aus. Es war auch teuer. 85 Gramm Salami kosteten 7 Dollar, also über den Daumen 5 Euro. Ich hielt mich beim Einkauf sehr zurück. Wir drei Prinzen saßen nun vor dem Kaufhaus auf einer Bank und taten nichts. Ein Erdhörnchen näherte sich Frederics Roller. Schnell fotografierte ich es. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie häufig wir morgen welche zu Gesicht bekommen würden.

DSC04576Ich war eigentlich dafür, zum Lake hochzufahren. Die beiden anderen hätten dann auf mich gewartet. Auch irgendwie komisch. Oder wir wären alle gefahren. Das Wetter aber war der große Spielverderber. So war es klar, dass wir zu unserer Unterkunft fahren würden. Der Aufbruch war träge. Der Hintergrund: meine beiden Freunde waren echt müde und zwar gesamtheitlich. Ich hatte diesbezüglich nichts vorzubringen. Interessant, wo ich doch deutlich am wenigsten Schlaf habe, da ich immer Berichte schreibe.

Gemütlich rollerten wir dann zum Quartier. Weiter ging es bergab entlang der breiten, sauberen Autobahn. Der Puls war ziemlich unten, die Geschwindigkeit mittel. So machte das Reisen sehr großen Spaß. Der Regen wurde kurz wieder stärker. Wir erreichten nun unser Ziel. Unglaublich, wie uns Josef immer wieder zu Zielen geleitet. Einmal war er hier gewesen und er tat so als sei er einheimisch. Die drei Betten im Hostel hatte er reserviert. Von der Autobahn weg ging es durch eine kleine Siedlung. Eine Art Campingplatz gab es hier mit sehr schönen Blockhütten. Dazwischen in der Wiese standen immer wieder Erdhörnchen auf und pfiffen laut. Das war allerdings nicht unser Platz. Wir fuhren dann nach rechts einen Schotterweg entlang und kamen bald an. Ausgebucht war es. Aber nicht für uns, war doch tatsächlich reserviert. Großartig ist er unser Josef!

Hostel der Bergsteiger

DSC04578Dieses Hostel unterschied sich massiv von jenem in Vancouver. Man musste gleich beim Eingang die Schuhe ausziehen. Alles war echt familiär hier und der Leiter des Hostels war Mädchen und Mutter für alles, ein kleiner, etwas dicklicher Mann mit weißem Vollbart und am Kopf einer Mischung aus Glatze oben und weißem Haar sonst wo. Seine Augen waren immer lachend und als er hörte, dass ich aus Österreich sei, sagte er mir, dass vor einer Woche ein Hans Moser hier gewesen sei. Dann fügte er hinzu, dass dieser genauso heiße wie der Schauspieler. Ich war sehr überrascht.

DSC04581Das Hostel wurde besucht von Kletterern. Somit waren hier nur naturverbundene, eher gesunde Leute hier, gesellig obendrein. Im großen Gemeinschaftsraum brannte Feuer im zentral im Raum stehenden Kamin. Ringsum waren Stoffsofas, die zum Knotzen einluden. Der Raum war in wohlig warme Farben gehüllt. Eine große Küche mit zwei großen Esstischen gab es auch noch. Unser Gepäck trugen wir in den einzigen Schlafraum. Zehn Stockbetten standen darin, in einigen lagen schon die ersten ermatteten Kletterer. Vom Schlafraum aus gab es eine Türe zum Raum mit zwei Duschen und zwei WCs. Außerdem gab es zwei Waschbecken mit Haarföhns dabei. Das brachte mich zur guten Idee und Umsetzung derselben, Wäsche zu waschen und diese mittels Föhns zu trocknen. Naja, sehr trocken wurde mein Zeugs nicht, ganz sauber leider auch nicht. Meine Bauchtasche färbt bei Regen schwarz ab und verfärbte so Trikot und Hose.

Nach dem Duschen und Essen einer Kleinigkeit verzupfte ich mich in eines der oberen Betten, das ich zuvor bezogen hatte, und tippte am Laptop. Internet gab es hier keines, Steckdosen standen ebenfalls nicht zur Verfügung. Zum Glück hatte ich noch sehr viel Kapazität in meinen Zusatzakkus. Immer mehr Mitschläfer legten sich zur Ruhe. Mein Getippe mochte störend gewesen, auch wenn die Zimmerbeleuchtung mitunter mehr störte. Um 22:20 beendete ich mein literarisches Schaffen und legte mich selbst zur Ruhe. Die ersten morgen würden um 03:00 aufstehen, hieß es, und frühstücken. Daher stellte ich mir den Wecker auf 04:30. Dann könnte ich bis 06:00 im Aufenthaltsraum beim ausgekühlten Kamin schreiben, um dann mit meinen Spezis zu frühstücken. Abfahrt morgen wäre um 07:00. Den bewährten Innensack meines Schlafsacks nahm ich heute wieder, schlüpfte hinein, deckte mich zu und war wohl augenblicklich weg.

 

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10 Antworten
  1. Johannes-Albrecht Geist-Herz says:

    Es gibt (zumindest) einen weiteren Eisenbahn-Spiraltunnel (fast 720°, also zwei Umdrehungen), den ich selbst eisenbahnfahrenderweise erlebt habe. Und zwar liegt der im Süden des Zentrums von Sri Lanka, mitten im Nebelwald in der Nähe des Touristenzentrums Ella, genauer gesagt direkt bei Dambulla. Dies nur, weil es dich interessiert hat, lieber Guido. Weiterhin alles Gute!

    Antworten
    • Johannes-Albrecht Geist-Herz says:

      Falsch. Nicht Dambulla, sonderen Demodara. In der Nähe sind die Dunhinde Falls. Das musste einmal gesagt werden! 😉

      Antworten
  2. Harald W.A. says:

    Hi!
    Auf einem Foto sieht man, dass Calgary naht! Dann wird es wahrscheinlich flach und flott. Die Bergwelt sieht ja wirklich berauschend aus. PS: die ersten 10 Fotos sind grieselig, dann auf einmal super. Ist das dein neues Handy?
    Einen guten Tritt und liebe Grüße,
    Trinkmeister Harald

    Antworten
    • Karl Sonnleitner says:

      Hi Harald, alles mit seiner Sony gemacht nur halt mit ISO Speed Rating: 25600 (laut EXIF Viewer).
      Besten Gruß
      Karl

      Antworten
  3. Karl Sonnleitner says:

    Lieber Guido, ich kenn dich leider nicht so gut, aber eines ist mir schon vor deinem Unternehmen X-C aufgefallen! Du könntest deine Reisekassa nie als Getränke-Testimonial auffetten!
    Alles Gute und möge die Kraft mit dir sein!
    Karl

    ps.: dein wort- und bildspende ist wieder großartig

    Antworten
  4. Horst Frank says:

    Lieber Guido,
    mir tränen die Augen vom vielen Lesen, aber ich lese trotzdem alles. Ich wäre Dir aber sehr dankbar, wenn Du die Schrift immer in der Größe wie beim heutigen Artikel einstellen könntest. Mit der kleineren Schrift hab ich echt Probleme. Danke.
    Auch ich kenne ein Spiraltunnel (von außen), und zwar das von Telgárt in der Slowakei. Der ist mir schon deshalb unvergesslich weil ich in dessen Sichtweite einen glimpflich abgegangenen Unfall hatte, der allerdings nichts mit der Bahn oder dem Tunnel zu tun hatte.
    Das ging so: In der Nähe dieses Tunnels befindet sich etwas abseits der Hauptstraße direkt an einem befahrbaren Feldweg die Quelle des Flusses Hron. Von weitem sichtbar ist dort ein kleiner Rastplatz mit überdachten Tischen und Bänken und einem Balkenzaun drum herum. Das Besondere an der Quelle ist, dass sie nicht schön sichtbar aus einem Felsspalt hervor sprudelt, sondern fast unsichtbar aus dem Untergrund heraus sickert. Aber das wusste ich zuvor nicht. Direkt beim Eingang des umzäunten Areals sind ein paar Bretterstufen. Da ich mich auf auf die etwas entfernte Erklärungstafel konzentrierte, bemerkte ich nicht gleich, dass unter den Brettern Wasser herauskam. Als meine Frau, die die Stufen vor mir unbeschadet überwunden hatte, mich auf das Wasser unter meinen Füssen aufmerksam machte, zögerte ich keinen Augenblick und machte einen beherzten Schritt nach links in das vermeintlich sichere Gras neben den Stufen. Im Bruchteil einer Sekunde lag ich auch schon der Länge nach flach im Gras. Wie sich herausstellte, trat auch unter dem dichten Grasbewuchs Wasser aus und es war glatter noch als auf einer Schwimmbad-Rutsche, nur sah ich es erst bei genauerem Hinsehen. Ich war bis auf die Haut durchnässt und meine Kleidung völlig verdreckt.. Das Objektiv der Kamera war mit Schlamm verdreckt. Ich hatte großes Glück, dass ich, obwohl der Aufprall am Oberkörper wuchtig war, keine Verletzungen und nicht einmal nennenswerte Schmerzen hatte. Nachdem ich wieder auf den Beinen war, versuchten wir, das eingezäunte Areal auf der Seite, wo die Sitzplätze waren, wieder zu verlassen. Dabei stellten fest, dass es auch dort nass und rutschig war. Immerhin konnten wir uns an den fest montierten Tischen und Bänken anhalten und uns so zum Ausgang hangeln. Kleidung zum Wechseln hatten wir ja genug im Auto, und während meine Frau meine Schuhe an einer nahegelegenen großen Wasserpfütze vom Schlamm befreite, legte ich in Sichtweite der Hauptstraße und vorbeifahrender Busse einen kompletten Kleiderwechsel hin. Die verschmutzten Kleidungsstücke konnten wir tags drauf bei meiner Tante, die nahe der Hohen Tatra wohnt, wieder säubern.
    Was diesen Rastplatz betrifft, so frage ich mich, was sich die Leute gedacht haben, die den ausgerechnet auf glitschigem Untergrund errichtet haben, statt ein paar Meter daneben. Ist das reine Blödheit oder bekommen die Provisionen vom Unfallkrankenhaus?
    Ich hoffe, lieber Guido, dass Dir Erfahrungen dieser Art im offenbar auch recht nassen Canada erspart bleiben, und wünsche Dir allzeit trittfesten Boden unter den Füssen.
    LG Horst

    Antworten
  5. Reinhard Ziegler says:

    Hallo Guido,
    ich finde es grossartig wie Du uns daheimgebliebenen an Deiner grossen Tour durch Kanada trotz all der Widrigkeiten detailiert teilhaben lässt ! Ich wünsch Alles Gute !

    Antworten
  6. Robert H. says:

    Hi Guido,

    einen Eisenbahn Spiraltunnel gibts auch am Simpson Pass in der Schweiz. Wäre also von Wien mit dem Roller VON DIR an einem verlängerten Wochenende zu erreichen.

    Auf der Fahrt von Creel nach Los Mochis in Mexico gibt’s eine Stelle mit einer sich (im Grundriss) kreuzenden Strecke und mehrere, teilweise vollständig als Tunnel ausgeführt Haarnadelkurven.
    Bin diese Strecke 1993 am Führerstand mitgefahren. Ein Gustostückerl für Eisenbahner 😉

    Durch die Barancca del Cobre gibts keine Straße. Du müsstest also auch mit dem Zug fahren. Google Maps ermitteln 3464 km von Lake Luise nach Creel, Mexico 😉

    LG Robert

    Antworten

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