13 – Wolkenwunderland

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Früh morgens ging es los und unwirklich scheinende Wolken begleiteten uns den ganzen Tag. Der Himmel peppte die Landschaft auf. Wir wechselten die Provinz und waren nun in Saskatchewan. Dem Starkregen entkamen wir sehr gut und landeten trocken in Kindersley. Damit waren wir nach zwei Tagen wieder an einem Ort mit Gastronomie und Hotellerie.

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Sehr frühes Aufstehen

Diesmal muss ich mich kürzer fassen, da ich vor lauter Schreiben nicht zum Schlafen komme und in weiterer Folge zu müde und zu schwach bin wenn ich Kraft brauche, nämlich den ganzen lieben Tag lang. Wenn man die Bilder sieht, müsste man gar nichts erzählen, da sie von sich aus schon Bände erzählen. Nur ist meine Geschichte eine andere, geht über die tollen Wolken hinaus.

DSC04930Um 04:30 läuteten unsere Wecker. Verdammt früh. Es war fast noch dunkel. Geschlafen hatte ich nicht wirklich gut, da es jede Stunde um zwei Grad kälter wurde. Erst schlief ich wegen der Wärme ohne Schlafsack, dann mit und dann mit Schlafsack und Innensack. Und nun war es mir kalt. Sehr feucht war es obendrein. Die Zelte waren innen und außen feucht.

DSC04931Widerwilliges Aufstehen, Anziehen, Zeltabbauen und Zusammenpacken. Waschelnasses Zelt einrollen und verpacken. Dazwischen gab es emsige Moskitos. Meine Kumpels hatten Moskitonetze über den Kopf. Beim Sportausstatter in Vancouver hielt ich diese Netze für etwas übertrieben. Ich wusste ja nicht, dass alle außer mir dies im Reisegepäck hatten. Beim nächsten Walmart werde ich mir auch so ein Netz zulegen.

Kälte, Morgenfeuchte

DSC04935Bei Fred konnten wir uns gar nicht mehr bedanken. So verabschiedeten wir uns bei den Enten und Pferden und zogen weiter. Saukalt war es und die Prärie hatte so etwas wie Raureif und Bodennebel. 5 Grad hatte es jetzt ungefähr. Wir waren genau richtig angezogen mit den dickeren Jacken und so war es richtig ein Vergnügen der tiefstehenden Morgensonne entgegen zu fahren.

Tiefer Puls

DSC04934Heute gab es keinen Wind, also auch keinen Seitenwind oder Gegenwind. Trotzdem ging es sehr leichtfüßig dahin, wohl auch da es tendentiell bergab ging. Nach 40 Kilometern hatten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,2 km/h und mein Puls lag genau bei 100 im Durchschnitt. Mir fiel auf, dass sich mein Körper auffallend stark verändert hatte. Der Puls sank um locker 20 Schläge pro Minute. Es ist kaum möglich auf über 130 zu kommen. 120 ist schon in einem Bereich, der anstrengend wird. Hochinteressant!

Saskatchewan

DSC04944Die Straßenbeschilderungen sind ja der Hammer. Zwischenzeitlich habe ich mich schon daran gewöhnt. Da fällt mir das gestrige mögliche Ziel Oyen ein. Der Ort ist zwar etwa 40 Kilometer von Freds Bleibe entfernt, jedoch nicht an unserer Straße liegend. Das heißt, irgendwann waren wir an einer Kreuzung, wo es dann 22 km bis Oyen waren. Wäre gestern also keine gute Idee gewesen, dort hin zu fahren. Es war schon sehr gut bei Fred. Es folgte ein Schild mit 19 km bis „Sask. Border“. Aha, doch schon bald ein Ort. Nix da! Das war nur die Ankündigung, dass wir demnächst Alberta verlassen und Saskatchewan betreten, die nächste Provinz. Man spricht in Kanada von Provinzen und nicht Bundesstaaten.

DSC04936Irgendwann mussten wir die Grenze überfahren haben. Hinweise gab es keine. Keine Welcome-Tafel. Das war dann auch sehr bezeichnend für die ganze Provinz, wie sich in den nächsten Tagen und auch schon an diesem Tag zeigen würde. Alles hier ist sehr abgefuckt, abgelebt, billigst und desolat. Das heißt im Klartext, die Straße wurde von einem Meter zum nächsten schlechter und schlechter. Nahezu unfahrbar war es hier. Eine eher arme Provinz, ganz augenscheinlich.

Extrem schlechte Straßen

DSC04943Dies führte zu einer Umdisponierung. Josef wählte unsere gesamte Strecke so, dass wir möglichst wenig Autobahn haben und daher auch mehr schöne Dinge sehen würden. Hier war es aber nicht schön und so bogen wir nach links ab und fuhren nach Norden. Dort würde eine Autobahn kommen und sicher sei es dort auch einfacher mit Essen und Trinken. Recht hatte er.

Mittagstisch

DSC04945An der Straßenkreuzung unserer nach Norden führenden, ebenfalls schlechten Straße zum Highway N° 7 gab es ein Restaurant. Naja, nennen wir die Bude einfach einmal so. Dort kehrten wir ein. Ein kleiner Shop war auch anbei. Schmuddelig und desolat ohne Ende. Trotzdem tranken wir Kaffee und Wasser. Ich genehmigte mir einen Hamburger mit Pommes Frites und meine Sportsbrüder nahmen sich Asiatisches. Das Essen war gar nicht so schlecht. Oder aber es war ein gelungener Trick. Aufgrund der optischen Erscheinung erwartet man nichts, sodass Mittelprächtiges schon zum Topgericht wird. Fein bei diesem Lokal war, dass drei sehr große Krüge immer wieder mit Trinkwasser vollgefüllt wurden. Der Wirt gestattete uns selbstverständlich unsere Trinkflaschen damit voll zu füllen. Das war ganz hervorragend für den Rest der Reise. Wir waren etwa bei der Hälfte angelangt. Im Shop kauften wir noch ein wenig. Ich beispielsweise nahm zwei Muffins.

Ab jetzt Highway

DSC04950Weiter ging es, diesmal am Highway. Das war echt die beste Idee. Man hat hier solch ein Downgrading, dass der Highway aussieht wie eine ganz normale Bundesstraße und die Bundesstraße eben wie ein Feldweg. Es war ein echt gemütliches Rollern auf gutem Straßenbelag und frei von Stress. Wenig Verkehr und sehr rücksichtsvolle Autofahrer. Sie wechselten immer auf die linke Spur, wenn sie uns überholten. Das hörte man dann auch überdeutlich. Der Asphalt ist nämlich an allen Bodenlinien bewusst geriffelt, also entlang unserer Leitlinie und auch am Streifen zwischen den Fahrspuren. So wird man als Autofahrer plötzlich sehr munter, wenn es im ganzen Auto dröhnt.

DSC04947Wahrscheinlich schläft man auf diesen Straßen schnell ein. Ich wunderte mich anfangs auch sehr über die Verkehrsschilder „Vorsicht Linksabbiegen“ und „Vorsicht Rechtsabbiegen“, wenn die endlose Gerade von einer sanften Kurve abgelöst wird. Die Kurven kann man locker mit 160 nehmen. Die Kanadier sind es offenbar gewöhnt, ewig geradeaus zu fahren. Dann wird es notwendig, auf Veränderungen hingewiesen zu werden.

Wolken

DSC04952Uns begleiteten den ganzen Tag über Wolken. Die Fotos sprechen für sich. Technisch gesehen muss ich dazu sagen, dass ich ohne Polarisationsfilter fotografierte. Ich wünschte mir echt einen her. Dann wären die Fotos um ein Vielfaches dramatischer. Dass sie jetzt so toll aussehen zeigt nur, wie unglaublich schön und beeindruckend sie auch in Wirklichkeit waren. Die Landschaft an sich war schon durchaus reizvoll, wenn auch monoton. Die unterschiedlichen Wolken brachten eine unglaubliche Spannung ins Geschehen. Spannend war auch das Thema Regenwetter. Blitze gingen nieder, Donnergrollen. Das war immer seitlich von uns oder hinter uns.

DSC04971Kindersley war unser Tagesziel und von diesem waren wir etwa 20 Kilometer entfernt. Es schien so als würden sich die regenschweren Schwarzwolken zu unseren Ungunsten bewegen. Gerade rechtzeitig vor der Katastrophe fand ich eine Holzhütte, die wir als Unterschlupf für die heftigen Minuten gebrauchen konnten.

Unwettergefahr

DSC04989Diese Hütte war an Türen und Fenstern fest zugenagelt, also konnten wir nur die wetterabgewandte Seite verwenden um uns vor Schlagregen ein wenig zu schützen. Nass würden wir in jedem Fall. Oh, welch Wunder. Die bösen Wolken zogen knapp an uns vorbei. Wir beobachteten sicherheitshalber das Himmeltreiben noch ein wenig und starteten zum Finale.

Kindersley

DSC04991Wir näherten uns Kindersley und um uns herum blieb es stets trocken. Nur noch zehn Kilometer. Neben der Straße sah ich einen Getränkebecher von „Subway“. Das machte Mut. Das wies auf die Existenz einer untergehenden Kultur hin mit Cola, Eiswürfeln, Sandwich und WLAN. Ja, dort wollen wir hin!!

DSC04998Die letzten Kilometer waren wieder heiß, wir waren ein wenig müde, aber weit entfernt von k.o. Drei Kilometer vor dem eigentlichen Ortsbeginn kamen die ersten Werbetafeln. Hier wurden Motels beworben, Fast Food Lokale und was sonst noch so auf einen zukommen könnte in diesem Ort. Ich freute mich schon, auch auf das Einkaufen. Endlich wieder Früchte. Und dann endlich auch wieder duschen!

DSC04988Ziel erreicht. Die Ortschaft entsprach meinen Erwartungen. Wir fuhren gleich zum ersten Motel nach der Ortseinfahrt. Das war uns etwas zu teuer. Dann fuhren wir zu einem, das vor drei Kilometern an der Plakatwand damit geworben hatte, den besten Preis zu haben. Ein Zimmer wäre noch frei und es koste für uns drei 70 Euro plus Steuern. Da fragte ich, ob wir bar bezahlen können und uns dafür die Steuern sparen. Aber ja, das ginge. Der Mann an der Rezeption und wohl zugleich auch Chef war Chinese und ungefähr in meinem Alter. Er sah uns zuvor aus dem Fenster blickend schon kommen und die Tretroller gefielen ihm sehr.

Motel mit Dreibett-Zimmer

Auf die für uns doch nicht unwesentliche Frage, ob es denn WLAN gäbe, bekam er leuchtende Augen und sagte, dass er ein extra schnelles Internet hier habe und nannte mir die Übertragungsrate, die ich jetzt nicht mehr weiß. „Da könne jeder von uns zugleich Online-Games spielen“, fügte er mit einer kindischen Begeisterung hinzu.

Wir freuten uns über das Zimmer, denn es war unser erstes Dreibett-Zimmer überhaupt. Das heißt, niemand musste am Boden schlafen. Streng genommen war es sogar für 5 Leute. Zwei Queen-Size-Betten mit je zwei Überzügen und ein normales Einzelbett mit einem Bezug. Das einzelne Bett nahm sich Frederic und Josef und ich lagen sehr feudal. Nach der Reihe gingen wir duschen. Die anderen packten aus. Was wir auch immer zu Beginn machen, wenn wir ein Zimmer haben ist das Anstecken all unserer elektronischen Geräte. Schließlich will am nächsten Tag alles aufgeladen sein und funktionieren.

Zelt trocknen

Nach meiner Dusche, die extrem herrlich war, hing ich mein Zelt draußen über einen Zaun zum Trocknen in der Sonne. Der Wind beschleunigte den Trockenvorgang. Den Schlafsack, der bei den Füßen in der Nacht im Zelt etwas nass geworden war, hing ich auch dazu. Und weil es so lustig war, wusch ich auch gleich Socken, Unterhose und Trikot im Waschbecken, drückte alles aus und hing es ebenso in die Sonne.

Interessante Internet-Verbindung

Das mit dem schnellen Internet war Humbug. Drei Server stellte er uns zur Auswahl. Keiner davon ging. In jedem Raum warb er mit Aufklebern mit Servername und Passwort. Er probierte es dann in der Rezeption mit meinem Handy, da er es nicht glauben wollte. Nein, zwar eine Verbindung, aber kein Zusatz zum Internet. Dabei hätten sie doch so gute „Rauter“, wie er zu den Routern sagte.

Da nahm er sein Handy aus der Tasche und suchte in der Galerie seiner mit dem Handy geschossenen Fotos. Bei einem Bild vom Mai diesen Jahres blieb er dann hängen. Es zeigte einen Servernamen und ein Passwort, aufgeschrieben mit Kuli auf liniertem Papier. Dies sei der echte Server meinte er, der ganz der schnelle. Recht hatte er. Plötzlich war ich drinnen im Internet und meine Sportsfreunde in weiterer Folge ebenso und ich mit meinem Laptop, was mir sehr wichtig war, ebenso. Der Herr Kollege aus dem Land der Aufgehenden Sonne ist mir vielleicht ein Schlitzohr. Ich bin mir sicher, der Server wird der vom Nachbarn sein und irgendwie kam der Herr Hotelier vor zwei Monaten zum Passwort. Uns egal. Hauptsache wir waren mit der großen weiten virtuellen Welt verbunden.

Die Chinesen in Kanada

Chinesen gibt es in Kanada extrem viele. Josef sagte mir, in Vancouver sei die Hälfte aller Einwohner aus Asien. Mit dem Eisenbahnbau vor mehr als 120 Jahren seien sie alle als Gastarbeiter geholt worden. Dann zogen viele aus wirtschaftlichen Gründen nach. Heute sind sie wirklich sehr stark vertreten im Land. Dieser eine mit seinem schnellen WLAN war mir aber das allerliebste. Er hatte so etwas Schelmisches. Und etwa eine Stunde später hatte er wieder einen „Auftritt“ bei uns.

Kein Obst

Jetzt aber gingen wir zu Walmart einkaufen für den Abend und den nächsten Tag. Ach, wie ich mich auf Früchte freute. Mit den Rollern fuhren wir nicht ganz zwei Kilometer hin und kauften ein wie die Wanderheuschrecken. Doch Obst und Gemüse gab es keines. Man bekam Rasenmäher, Damenunterwäsche, geschnittene Brotscheiben, Cornflakes, Weihnachtsbeleuchtung, Videokameras, Putzmittel, u.s.w. einfach alles, nur eben kein Obst und Gemüse. Ja, in Konserven schon oder tiefgekühlt. Skandal. Josef meinte, selten aber doch gäbe es Walmart-Filialen, die keine Obst-Abteilung haben.

Zurück ins Motel. Mein Zelt und mein Schlafsack waren trocken. Ich packte alles zusammen und gab es in meine Tasche. Dann machte ich mich endlich ans Patschenflicken. Zwei Defekte hatte ich und brauchte damit beide Ersatzschläuche auf. Seit Tagen schon wollte ich die defekten Schläuche kleben. Fahrlässig, es nicht sofort gemacht zu haben, denn so fuhr ich immer ohne Ersatzschlauch. Zum Glück passierte nichts. Jetzt saß ich da am Sessel, mit der Lesebrille auf der Nase und der Stirnlampe an der Stirn. Die beiden Burschen lagen auf ihren Betten und erfreuten sich des Internets.

Reparaturarbeiten

DSC05000Während des Trocknens meiner beiden geflickten Schläuche wollte ich die Wäsche hereinholen, denn die Sonne war im Begriff sich zu verabschieden. Die Türe wollte nicht aufgehen. War ich zu blöd für die Verriegelung? Es probierten dann auch Josef und Frederic. Niemand von uns konnte die Tür öffnen. Dann müsste ich übers Fenster raus. Fehlalarm. Das Fenster ist starr eingemauert. Es gab also nicht einmal eine Möglichkeit zu lüften und im Notfall müsste man dann die Scheibe zerschlagen.

Wir sind eingesperrt

Wir probierten es mit Schraubenziehern und Gefühl, aber auch mit roher Gewalt. Die Türe, die nicht versperrt war, wollte nicht aufgehen. Das Telefon im Zimmer ging auch nicht. Tote Leitung. Waren wir in einem Horrorfilm oder war es nur „Versteckte Kamera“? Über das Internet, das glücklicherweise jetzt ging, suchte Josef nach der Telefonnummer des Hotels und rief den witzigen Chinesen an, erklärte, dass sich die Türe nicht öffnen lasse Er würde sofort kommen.

Er kam auch wirklich, schaute beim Fenster herein und grinste. Dann verschwand er wieder. Und kam nicht wieder. In der Zwischenzeit bekam Frederic leicht eine Panik und klopfte gegen die Scheibe und auch gegen die Türe; beides ziemlich fest.Wir mussten ihn wieder beruhigen. Dachte der Chinese, wir scherzten? Oder hatte er neue Gäste und auf uns dann vergessen? Diesmal rief Frederic an. Der Chinese kam wieder und verstand offenbar den Ernst der Lage. Anweisungen gab er, die aber nichts halfen, nämlich am Riegel drehen. Da drehte sich nichts. Er holte einen weiteren Chinesen.

Frederic hatte eine Zange mit. Nicht ohne Stolz verweist er auf seine 1,4 Kilogramm Werkzeug, die er mit habe. Unser Chinese sagte, er dürfe es mit der Zange probieren, auch wenn alles kaputt gehen sollte. Mit roher Gewalt, Entschlossenheit und Rohrzange geht es dann ja. Die Türe war offen. Der Chinese meinte nur, wir sollen oben, also das Sicherheitsschloss, nicht schließen, nur unten mit dem Schlüssel.

Das war vielleicht eine Aufregung. Was hätten nur normale Leute gemacht, die nicht auf anderthalb Kilo Werkzeug zurückgreifen hätten können? Nun machten wir uns endgültig fertig für die Nacht und gingen schlafen.

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