19 – Nicht mein Tag

Antons Lake. Nach der Pause Defekt Nr. 3

Verzweiflung wird man von mir nicht hören, denn dazu waren die Vorkommnisse am heutigen Tag zu unbedeutend. Drei technische Pannen hatte ich, die zur Folge hatten, dass wir nach 5 Stunden und 30 Minuten erst 33,5 km zurückgelegt hatten. Doch das war noch nicht alles.

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Guten Morgen

An sich wollte ich noch vor dem Weckruf munter werden und am Laptop schreiben. Gestern ging es einfach nicht mehr. Tja, heute ging es auch nicht. Zwar war ich um 01:00 nicht nur munter, sondern auch sehr aktiv und ging des nächtens kurz austreten, was mitten in der bewohnten Ortschaft auch keine angenehme Sache ist, doch schlief ich dann durchgehend bis 05:00.

Zum Schreiben wäre es mir ohnedies zu kalt gewesen. Ja, es war irgendwie ungastlich in meiner kunststoffenen Hütte. In der Nacht beim Umdrehen merkte ich immer wieder wie ich mich extra zudecken musste. Die winddichte Jacke hatte ich über meinem Trikot an und so steckte ich im Innenschlafsack und der wiederum im eigentlichen Schlafsack.

Abtrocknen und Einpacken aller guten Dinge am trockenen Gehsteig

Abtrocknen und Einpacken aller guten Dinge am trockenen Gehsteig

Die erste Tat war ein Frühstücken im Sitzen, dann begann ich den Innenschlafsack in die kleine dafür vorgesehene Tasche zu stopfen, danach kam der Schlafsack dran, schließlich die Matte. Dann erst schob ich mich aus dem Zelt und zog mir die Schuhe an. Josef war, wie zu erwarten war, schon schneller. Er war beim Abbau seines Zeltes und er hatte das Moskitonetz über seinen Kopf.

Sei es wie es sei, letztlich war ich heute Platz zwei mit dem Fertigwerden und Frederic brauchte am längsten. Meine Sachen packte ich abseits der Wiese ein, auf einem trockenem Gehsteig. Sehr froh war ich, dass wir diese Nacht zu ungestört verbringen konnten. Die Zelte waren leider sehr nass, auch die Innenzelte. Bei der Abfahrt war es nun 07:00 Ortszeit. Einen Tag vorher wäre es jetzt noch 06:00 gewesen.

Leistungsschwacher Morgen

Ungelenk fühlte ich mich und äußerst leistungsschwach. Mein Puls war ständig unter 100. Wahrscheinlich hätte ich schneller gekonnt, doch hatte ich überhaupt keine Lust dazu. Das wird wohl die doch lange Zeit ohne wirklichem Ruhetag sein. Es tut mir nichts weh, wirklich müde bin ich auch nicht und der Psyche geht es ausgezeichnet. Nur der Motor läuft nicht wie gewohnt.

Mit Josef sprach ich später darüber. Er geht immer nachmittags ein, während bei mir das Eingehen quasi morgens ist. Also gehen wir alle irgendwie ein. Ich fuhr einfach mein Tempo und das war einen Tick langsamer als Josefs Tempo. Frederic fuhr hinter mir. Er überholt nie. Seine Position ist hinten. Wie ein Hirtenhund beobachtet er so die ganze Herde. Hier fühlt er sich wohl. Josef wartete dann immer wieder auf Frederic und mich. Das waren dann immer 30 Sekunden. Mir hätte es unangenehm sein können. War es aber nicht. Ich wusste ja von meinem frühmorgendlichen Leistungstief.

Erste Pause

Antons Lake

Antons Lake

So etwa 31 Kilometer wären es bis Minnedosa. Dort käme dann unsere Pause. Sicher könnten wir dann auch etwas zu Essen einkaufen. Blöderweise zeigte sich dann nach 25 km, dass Minnedosa vor uns lag, während unsere Route nach rechts abbog. 10 Kilometer Umweg nur wegen eines Einkaufens? Wir alle hatten noch Essbares bei uns. Und glücklicherweise gab es bei dieser Abbiegung einen ausgesprochen schönen Rastplatz mit Wassertoiletten, noch dazu schön am sogenannten Antons Lake gelegen. Die Sonne schien. Hier blieben wir. Eigentlich war es eine große Pause. Wir schmierten uns Brote und aßen dies und das, tranken dazu, genossen den Tag. Ich fotografierte den See und zwei Autos. Dann fuhren wir los mit gekauftem Wasser vom Automaten. Aus den Wasserleitungen kam nämlich nur bakteriell bedenkliches und daher untrinkbares Wasser.

Mein dritter Defekt

Antons Lake. Nach der Pause Defekt Nr. 3

Antons Lake. Nach der Pause Defekt Nr. 3

Abfahrt. Eine Bodenwelle und mein Reifen hatte einen Patschen. Das war mein dritter Defekt dieser Reise. Glücklicherweise hatte ich meine zwei defekten Schläuche schön geflickt. Dies alles geschah noch am Rastplatz. Mein unfreiwilliges Werken hatte sogar etwas Gutes. Regenwolken zogen nämlich auf. Dank meines Stopps hier hätten wir bei Regen leicht in das Häuschen mit den Toiletten gehen können. Wir mussten aber nicht. Der Regen trat nicht ein und so brachen wir auf. Die nächste größere Stadt nach Auskunft eines Autofahrers käme nach 60 Kilometern. Internet hatten wir ja schon sehr lange keines, um die Route irgendwie zu planen. Wir würden so lange als möglich fahren, mindestens 140 km.

Antons Lake. Nach der Pause Defekt Nr. 3

Antons Lake. Nach der Pause Defekt Nr. 3

Nach sehr kurzer Zeit schon ging es schön bergab. An sich erfreulich, nur merkte ich wie mein Vorderreifen, der neu gewechselte, weich wurde. Offenbar ging doch wieder Luft aus, schlecht geflickt von mir wahrscheinlich. Das Fahren war so kein Vergnügen, bergab nicht und sonst auch nicht. Es gab einen Gegenhang. Den Schwung nützten wir normal immer, um dann nicht mehr so viel treten zu müssen. Frederic und Josef standen nach nur wenigen Metern des Hochfahrens und warteten auf mich. Von meiner wenigen Luft konnten sie nichts wissen. Das Stehenbleiben hatte ganz andere Gründe. Hier gab es nämlich schon wieder eine Abfahrt nach Minnedosa.

Minnedosa: Vierter Defekt und unfreiwillige Pause

Diese nahmen wir jetzt. Und das war gut so. Wir kamen nach etwa drei Kilometern in das Städtchen, wo wir zunächst zum Supermarkt fuhren und uns dort mit dem Üblichen eindeckten. Das geht mittlerweile sehr schnell. Wir kennen die Produkte und wissen wo wir sie finden. An der Kassa sind wir auch schon souverän und im Nu sind wir draußen mit mindestens zwei Säcken Fresssachen.

Das mit meinem geringen Reifendruck war bekannt und so fuhren wir gleich zu einer Tankstelle, wo wir Luft nachpumpten. Hier haben die Tankstellen wirklich Druckluft, also mit hohem Druck. Der Reifen war nun superhart. Weiter ging es zu einem Subway, da es dort WLAN gibt. Ich konnte dort dann auch in Ruhe alles Gekaufte gut einpacken. Als wir angekommen waren, war schon wieder weniger Luft im Reifen. Josef vermutete das Ventil. Das tauschte ich nun. Das war es auch nicht.

Minnedosa.Defekt Nr. 4, Zwangspause

Minnedosa.Defekt Nr. 4, Zwangspause

Verdammt! Jetzt musste ich richtig arbeiten. Ich tauschte Mantel und Schlauch. Das dauerte schon seine Zeit, da ich den Mantel, der drei Löcher von irgend einem Teil mit drei Nägeln abbekommen hatte, auch irgendwie flicken musste. Dies geschah mit Gaffa-Tape. Schließlich wechselte ich alles, pumpte volle Härte auf, baute zusammen, verstaute alles Zeugs und war endlich abfahrbereit.

Weiterer technischer Zwischenfall

Wir waren keine hundert Meter unterwegs, da machte sich ein störendes Geräusch vom Vorderrad wichtig. Zunächst dachte ich an eine schleifende Bremse. War es nicht. Vom Gepäcksträger war eine Schraube zu lang und berührte einige der Speichen. So etwas kann brandgefährlich werden, denn dadurch werden die Speichen beleidigt und reißen dann irgendwann und eine gerissene Speiche am Vorderrad kann sich nur allzu leicht dazwischentun und das Rad zum Blockieren bringen. Dann ist ein Köpfler unausweichlich. Bei 50 oder mehr km/h kann das echt fatal enden.

Daher blieben wir wieder stehen. Ich baute das ganze Gepäck ab, drehte Chuck Jelen um, nahm das Vorderrad heraus und drehte die böse Schraube um. Wo Schraubenkopf war, war nun Mutter, und umgekehrt. So passte es. Wieder alles zusammenbauen. Abfahrt. Nach 33,5 km zeigte mein Tacho 5:30:00 inklusive aller Pausen an. Wenn wir die nächsten 110 km auch so fahren, brauchen wir noch 15 Stunden, so über den Daumen.

Kein Stehenbleiben, keine Fotos

Rechts geht's nach Sidney und links fährt Frederic, einer der 2013 mit dem Tretroller Australien durchquerte

Rechts geht’s nach Sidney und links fährt Frederic, einer der 2013 mit dem Tretroller Australien durchquerte

Angenehmerweise ging es aber gut voran. Der Reifen verlor keinen Druck und verdächtige Geräusche gab es auch nicht mehr. So fuhren wir einfach drauflos. Ich wurde allmählich stärker, manchmal übernahm ich die Führung. Der Wind drehte leider immer wieder. Nie war es ein richtiger Gegenwind, aber oft wehte er von NO und so drückte er von schräg vorne auf uns, dämpfte sehr die Geschwindigkeit und damit die Durchschnittsgeschwindigkeit.

Fotos machte ich so gut wie keine. Die Landschaft war irgendwie immer dieselbe. Ein Bremsen und Stehenbleiben hätte nur Kraft und Zeit gekostet. So ließ ich es bleiben und war immer in Bewegung. Eine Werbetafel mit Mc Donald’s entdeckte ich. Nur noch 7 Kilometer. Das passte vom Zeitpunkt her gut für die nächste Pause. Dort hätten wir WLAN, könnten die Route besser planen und obendrein gäbe es auch etwas zu Trinken und zu Essen. Alle waren dafür, jedoch nur, wenn die Pause wirklich kurz wäre. Wir hatten nämlich echt keine Zeit zu verlieren.

Neepawa

In Neepawa war dann dieser Mc Donald’s. Es war alles wie erwartet. Ja, darauf kann man sich beim Mäcki immer verlassen. Ich nahm zwei Hamburger und Kaffee. Frederic machte es mir gleich und Josef nahm sich kein Trinken, dafür irgendwelche zwei „gesunden“ Burger. WLAN klappte. Neuigkeiten gab es zur Route keine. Drauflosfahren soweit wir kommen und dann hoffen, dass wir ein Quartier finden. Frederic holte sich noch zwei Hamburger. Da musste ich mitziehen. Währenddessen checken, was es in der Welt so Neues gibt und Abfahren.

Wie immer wurden wir angequatscht, diesmal von einer jungen Dame, die ich so überhaupt nicht verstand. Sie sprach von „baken“. Alle anderen Worte waren mir fremd. Später kam mir erst, dass sie wohl „biken“ meinte. Gut, diese Lady war gewiss ein Spezialfall auch für Leute, die der hiesigen Sprache mächtig sind. Sonst aber muss ich sagen, dass ich immer noch staune, wie interessiert die Menschen hier sind und keine Hemmungen haben, auf einen zuzugehen und am Ende des Gesprächs wünschen sie sehr herzlich und umsorgend eine gute Weiterfahrt. Dazu gibt es am heutigen Tag noch eine ganz spezielle Begegnung.

Trucks: Reifenplatzer und Sogwirkungen

Ja, also jetzt fuhren wir weiter. Wir waren in etwa gleich stark. Der Kilometerzähler zeigte 66 km. Ich schlug vor, bei ungefähr 100 die nächste Pause zu machen. Jetzt war mir danach, länger keine Pause zu machen.

Gerne würde ich von der Natur erzählen oder von den Besonderheiten neben oder auf der Fahrbahn. Es gab aber nichts Neues. Auch aus der Sicht des Rollerfahrers gibt es nichts Neues. Es lief, zwar auffallend langsam mit einem Durchschnittspuls von 96, der letztlich anstieg bis auf 100. Ja, vielleicht ein paar Gedanken doch noch, da es auffallend viele zerfetzte LKW-Reifen am Pannenstreifen, der ja unser Radfahrstreifen ist, gab. Da überlegte mir, wie totbringend so ein Reifenplatzer für uns sein müsste. Wenn so ein Truck an einem vorbeifahrt und es einen Reifen unverhofft zerfetzt, so fliegen einem sehr große Gummimassen mit sehr hoher Wucht um die Ohren. Dann ist es garantiert auf der Stelle aus. Kein schöner Gedanke.

Da möchte ich auch gleich etwas zu den Trucks sagen und dem Sog, den sie beim Vorbeifahren machen. Mir gefällt der Sog, denn ich empfinde ihn nicht nur als ungefährlich, sondern sogar gewinnbringend. Wenn du von einem Truck überholt wirst, so entsteht im Anschluss ein Unterdruck, der dich nachzieht und zwar für vielleicht eine oder zwei Sekunden, dann fühlt es sich fünf Sekunden wie Windstille an und danach wieder wie vorher. Das ist deshalb gewinnbringend, da es für den Rollerfahrer keine Nachteile hat. Man wird nur schneller bzw. benötigt man weniger Kraft. Der Sog wirkt nicht seitlich. Das heißt, es zieht einen nicht auf die Fahrbahn.

Unangenehm ist der Druck des Gegenverkehrs, denn den nimmt man als Gegenwind wahr, obwohl der Truck viel weiter weg ist. Darauf stelle ich mich aber ganz gut ein.

Gladstone

Josef fuhr wieder vorne. Seine Kraft ließ heute also nicht am Nachmittag nach. Bei Kilometerstand 99 kam er in eine sehr gepflegte Ortschaft mit Namen Gladstone. Hier waren alle Rasen gemäht und links der Straße sah es sehr parkähnlich aus mit sonnigen Rasenflächen und schattigen Bäumen.

Zelte trocknen in Gladstone

Zelte trocknen in Gladstone

Dort ließen wir uns für die nächste, größere Pause nieder. Es war der Garten irgendeiner Organisation, ich glaube, es war etwas Medizinisches. Zwei gegenüberliegende Bänke gab es dort. Die okkupierten wir gleich und als allererstes breiteten wir Zelte und Schlafsäcke in der Sonne aus. Dann schmausten wir. Ich aß zwei Becher Vanillepudding, auf die ich mich schon seit der letzten Pause vorgefreut hatte. Schon in Minnedosa verzehrte ich nach dem Supermarkt gierig zwei Becher davon. Sechs hatte ich mir gekauft. Und dann gab es noch zwei Blaubeerkuchen jetzt im gediegenen Garten in Gladstone. Ein lukullisches Großvergnügen.

Unfassbar toll

Eine Dame war gerade im Begriff in ihren Pick Up zu steigen, da entdeckte sie uns, hatschte geradewegs über die Wiese zu uns fragte, ob wir Kanada queren würden. Ja! Aus Charity-Gründen? Ja! Könne man da etwas spenden? Ja! Cash sofort? Nein! So fragte sie uns, ob wir sonst etwas brauchen, Trinkwasser oder etwas zu Essen. Wir lehnten dankend ab, denn wir hatten alles. Josef gab ihr eine seiner Karten mit allen Informationen und dem Link zur Webseite. Sie wünschte uns mehrmals alles Gute und fuhr dann weg. Sie war vom Typ „ländliche Hausfrau“ mit Kurzhaarschnitt, dickem Hintern und irgendwie extrem ordentlich und wie frisch gebügelt.

Wir fassten es nicht. Vor allem ging es Frederic und mir so. Bei uns zuhause fragte ja grundsätzlich niemand. Und schon gar nicht würde jemand einfach so spenden wollen oder gar Wasser und Essen anbieten ohne irgendetwas vom Projekt zu wissen. In Frankreich, so Frederic, würde man eher mit einem Gewehr vom Grundstück verjagt.

Während ich meinen bereits trockenen Schlafsack zusammenrollte, kam die Dame wieder zu uns und drückte jedem eine Flasche mit irgend einem sehr gesund wirkenden Erfrischungsgetränk in die Hand und einen Schokoriegel, der auch megagesund schien mit Ökoprodukten drinnen und glutenfrei. Sie hatte das irgendwo schnell extra für uns gekauft. Jetzt waren wir wirklich fassungslos. Großes Bedanken. Sie verabschiedete sich von uns und wünschte uns alles Gute.

Bald kam noch eine Frau, diesmal eine ältere. Sie sorgte sich nur um den Rasen, wenn wir hier campen würden. Wir beruhigten sie und erklärten ihr, dass hier alles nur zum Trocknen läge. Auch sie war sehr interessiert an unserem Tun und wünschte uns Gottes Segen.

Unsere Charity-Projekte

Ja, was ist das Projekt überhaupt? Es sind zwei Projekte. Das ursprüngliche, nämlich das von Josef, verstand ich sofort. Da gibt es in seiner Nachbarschaft ein Mädchen namens Nikolka, das fünf Jahre alt ist und ein Frühchen ist. Sie braucht eine Therapie, die 4.500 Dollar kostet. Dafür will Josef Geld sammeln. Mir ist nur nicht klar, wie das sein soll. Er glaubt durch die Karten die er verteilt. Bei der Kurzhaardame funktioniert das sicher. Ich hatte dann ja auch die Idee, dass wir T-Shirts produzieren lassen mit dem Design unserer Trikots, allerdings nur wenn wir die Querung schaffen. Dann könnte auch der Zeitbereich der Tour oben stehen und ein paar Eckdaten wie die Gesamtlänge und die Gesamthöhenmeter. Von jedem T-Shirt geht ein Betrag X an die Familie von Nikolka. Ich verspreche mir von der Idee einiges, denn das Leuchtgelb schätzen einige Rollerfahrer sehr, da sie beim Fahren im Öffentlichen Verkehr ein Sicherheitsfaktor sind. Mal sehen…

Und dann gibt es Solibad, für das Frederic sammelt. Das ist ein Unternehmen, das ärmere Kinder zum Sport bringt. Für die Kinder ist das gratis und es gibt zahlreiche unterschiedliche Sportarten im Angebot.

solche Trucks sieht man hier immer wieder

solche Trucks sieht man hier immer wieder

Mir wurde davon erst in Kanada so richtig berichtet. Mich brachte das auf die Idee, meinen Blog als Buch zu produzieren, etwas in Form gebracht und lektorierend überarbeitet und ich würde es verkaufen. Auf den Selbstkostenpreis schlüge ich zehn Euro auf. Diese zehn Euro wandern dann auf das Konto des TTVÖ (Tretroller und Tretschlitten Verband Österreich), dessen Vorstand David und ich sind. Der Verband hat unter anderem das Ziel, den Sport in Österreich populär zu machen und auch die Jugend zu fördern. Damit bin ich zwar nicht im Charity-Bereich, doch nützt der Verkaufserlös einer wirklich guten Sache, die mit dem Abenteuer „Crossing Canada 2016“ thematisch stark verbunden ist.

Magendrücken

Nach dieser Staunenstunde fuhren wir weiter. Mir drückte der Magen. Die Puddings taten mir nicht gut und ein kleines Verdauen im Ruhigen gab es nicht. So ließ ich mich ganz bewusst zurückfallen. Ich würde mein eigenes und langsames Tempo fahren die letzten gut 30 Kilometer. Die beiden mögen keine Rücksicht nehmen auf mich. Sie mögen am Zielort ein Motelzimmer nehmen und ich würde sie schon finden.

Wir bleiben in Gladstone

Da kam es sehr plötzlich sehr anders. Die beiden hielten bei einer Tafel an der Ortsausfahrt an. Da stand, dass es bis Winnipeg nur noch 138 km seien. Das können wir locker an einem Tag schaffen, also bleiben wir gleich in Gladstone, wo es ein Motel gäbe. Im nächsten Ort nämlich gäbe es einen Campingplatz und den nicht sicher. Zurück ein Stück des Weges zum Motel. Dieses war voll belegt. Ohne Reservierung ginge nämlich gar nichts, ließ man uns wissen. Im Ort wäre aber noch ein Hotel. Dort könnten wir fragen.

Das taten wir dann auch. Ich fuhr weit abgeschlagen hinten und sehr langsam. Welch Glück, heute nicht mehr die 31 km zu machen, wobei das mit dem Bauchweh sich gewiss gelegt hätte. Es gab ein Zimmer, sogar mit drei Betten, Platz für 5, wie wir es schon einmal hatten. Das ganze Drumherum war mehr als sonderbar. Ich ging hinein. Drinnen gab es ein kleines Fenster vom Vorraum in eine Gaststätte. Die Wirtin betreute auch das Hotel. So kam sie zum Fenster. Sie verstand mich nicht und ich sie nicht. Sie war unfreundlich und generell offenbar humorlos.

unsere Bleibe in Gladstone inklusive zwei der Gastgeber

unsere Bleibe in Gladstone inklusive zwei der Gastgeber

Sie holte ihren Mann. Der verstand mich schon eher. Er zeigte mir das Zimmer und murmelte etwas in sich, um dann zu sagen, dass wir es ohne Steuern für 80 Dollar haben können, mit WLAN freilich. Da sagte ich nicht nein. Für die Roller hatte er einen absperrbaren, ebenerdigen Platz im Haus. Herrlich.

Jetzt taute er auf. Jetzt erst sah er, dass das keine Fahrräder waren. Das musste er gleich im Lokal erzählen. Einige Leute kamen dann gleich raus, wunderten sich, staunten, waren begeistert. Wir konnten von ihm jetzt irgendwie alles haben. Von seiner Frau weiterhin nichts.

Wir hatten Zimmer 1 im ersten Stock. So trugen wir unser Gepäck rauf, verbanden uns mit dem Internet und gingen einer nach dem anderen ins Bad, zuerst war ich dran heute, dann Frederic, der nie duscht und immer badet, und schließlich Josef. Josef ging dann gleich schlafen. Frederic und ich gingen in das Lokal und tranken Bier. Es war nach 21:00. Da gibt es kein Essen mehr. Frederic aber hatte Hunger. Da machte der Wirt gerne eine Ausnahme und so führte sich Frederic zunächst einen Sandwich zu und danach Chicken Wings. Ich hatte wirklich keinen Hunger, nahm aber zwei Säcke Chips, die ich gemeinsam mit Frederic verzwickte, zur Neutralisation des ersten und anschließend des zweiten Biers. Fallweise lächelte die Frau Wirtin.

Das Lokal war eine typische Saufstätte mit wohl immer denselben Leuten und denselben Geschichten. Jetzt werde sie 14 Tage von den drei Tretrollerfahrern reden, die in 45 Tagen Kanada durchqueren.

Wir gingen dann rauf. Josef schlief schon, Frederic putzte sich die Zähne und ging zu Bett und ich nützte noch das Badezimmer als „Office“ und tippte, selektierte und bearbeitete Fotos vom heutigen Tage. Weil es ja nicht mein Tag war mit den zwei Reifenwechsel, dem Umschrauben am Gepäcksträger und dem Magendrücken, so konnte das nicht alles gewesen sein. Stimmt! Mein Garmin-Computer ließ sich plötzlich nicht mehr einschalten. Das kenne ich schon. Der Grund ist mir nicht bekannt. Vielleicht geht es morgen oder erst in drei Tagen. Da ich in Wien schon mit so etwas rechnete, nahm ich meinen alten Garmin auch mit. Der wurde nun aufgeladen und kommt morgen zum Einsatz. Ich hoffte nur, dass die heutige Datei nicht verlorengegangen war. Um 1:30 ging ich zu Bett. Morgenwache 05:00…

9 Antworten
  1. Karl Sonnleitner says:

    Liebe Guido mit den Sieben Meilen Stiefeln!
    Wieder großartiger Bericht!
    Die Befindlichkeit deiner Reifen versteh ich nicht!
    Früher selbst Fahrer in der oberen Gewichtsklasse (108 + 17 + 30kg), hatte ich bei meinen Touren noch nie auch nur irgendein Problem mit den Reifen (Fahrrad). Und jetzt, dank Rollerfahrens in der UHU-Klasse (UnterHundert) mittretend, bei meinen Kickbikes sowieso nicht! Ich glaub da hat sich irgendein Fremdkörper gut versteckt. Ich hoffe mit dem Tausch von Mantel und Schlauch ist jetzt alles o.K.!
    Das mit dem Buch ist eine ausgezeichnete Idee! Ich bin dabei (ohne Autogramm zum Normalpreis und mit Autogramm der Giganten zum Spezialpreis). Und wenn du’s Zweisprachig D/E machst kommst du mit dem nachdrucken nicht … nach;-)

    Danke für die Wortbildliche Mitfahrgelegenheit und Alles Gute!
    Karl

    Antworten
    • Guido Pfeiffermann
      Guido Pfeiffermann says:

      Ich bleibe der Einfachheit halber bei Nur-Deutsch. Erstens kann ich mich in meiner Muttersprache viel besser ausdrücken und viele Sätze leben von Wortitz, der nicht übersetzbar ist. Zweitens ist es verdammt viel Text. Ich rechne mit 250 Seiten DIN-A4 in 12pt Schrift. Das Buch in Deutsch kommt gewiss auf über 300 Seiten….

      Antworten
  2. Harald W.A. says:

    Ich wünsche Dir einen guten Magen, neue ungeflickte Schläuche, feundliche Wirte und gutes Bier, oft ein Hotel, warme Nächte, kompaktes Gepäck, fixe Schrauben, starke Speichen und last but not least viele nette Leute.
    Lg, Harald

    PS: 2 hoch 11 ist doch 2048

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    • Guido Pfeiffermann
      Guido Pfeiffermann says:

      Lieber Harald! Zunächst einmal danke für Deine Wünsche. Sie gingen tags darauf alle in Erfüllung. Nette Lete gibt es hier fast durchwegs. Wieder wollten uns zwei Damen Bargeld in die Hand drücken. (So erbärmlich sehen wir mittlerweile aus). Das mit dem 2 hoch 11 fiel mir heute zwischen Gladstone und Winnipeg ein. In meinen Überlegungen drehte sich alles nur um 2000 und nicht um 2048. Bei einem Informatiker klingeltes bei 2048 laut schallend. Ich bin da zu sehr Maschinenbauer und hatte demnach Zehnerpotenzen im Kopf und nicht Zweierpotenzen. Finde ich witzig!

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  3. Horst Frank says:

    Sehr schöner Bericht, Guido. Hier wieder eine sprachliche Anmerkung, nachdem ihr gerade durch das Gebiet der Dakota-Indianer fahrt. Der Namensteil ‚minne‘ bedeutet ‚Wasser‘. Minnedosa ist das ‚fließende Wasser‘. (Ich hoffe, es gab dort welches.) Südlich auf der US-Seite liegen Nord und Süd-Dakota, östlich davon Minnesota (‚klares Wasser‘), wo es auch einen Ort Minnetonka (‚großes Wasser‘) gibt. Auch den Ortsnamen Minnehaha (’schnelles Wasser‘) gibt es in Saskatchewan.
    Neepawa hingegen kommt aus der Sprache der Cree-Indianer und bedeutet ‚Land des Überflusses‘. Zumindest Hamburger scheint es dort so viele zu geben, so dass man die Überflüssigen sogar verkauft.
    LG Horst

    Antworten
      • Horst Frank says:

        Lieber Guido, ich komme gerne nach. Ich könnte mir gut vorstellen, Euch mit einem Fahrzeug zu begleiten und alles Mögliche zu organisieren, was das Vorwärtskommen erleichtert, sowie nebenbei etwas geografisches Infotainment zu betreiben. Ich könnte mich auch als Kommunikationskatalysator betätigen, denn ich spreche fließend Tschechisch, Französisch, Englisch, und sogar etwas Österreichisch ;-).
        Ich kann Die gerne die Adresse zukommen lassen, an die Du die Flugtickets schicken kannst: 😉

        Antworten
        • Guido Pfeiffermann
          Guido Pfeiffermann says:

          Lieber Horst! Da ich so im Kilometerspulen bin und mittlerweile auch Bärenerfahrung habe, könnte ich Dich einmal mit dem Tretroller besuchen. Dann gebe ich Deinem Österreichisch den letzten Feinschliff….

          Antworten

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