Etapak – cil neznamy

Ab 2014 wurde als Spin-off von kickfrance 2013 in Tschechien dreimal ein Etapak veranstaltet – ein mehrtägiges Tretroller-Etappenrennen auf der Straße. Erdacht und liebevoll organisiert von einem großartigen Team um Zděnek Černy, Vašek Jun und Zdeňek Beneš. Alle, die jemals dabei waren, bekommen heute noch feuchte Augen bei der Erinnerung an die feinen Tage, die wir im freundschaftlichen sportlichem Wettkampf verbracht haben.
2021 – nach fünf Jahren Durststrecke hielten es Honzá Vlašek, Martin Brož, Ladislav Bartunek, und Tomaš Pelc nicht länger aus, motivierten einige Helfer und überlegten sich als Fortsetzung auch gleich ein neues Format der Veranstaltung: so wenig Asphalt als möglich, dafür aber pure Natur, Feldwege, Schlamm, Bachquerungen, extreme Steigungen und genauso herausfordernde Singletrails: Etapak – cil neznamy (Ziel unbekannt)
Die sportliche Herausforderung war eine Komponente – noch viel wichtiger ist das zwanglose Treffen mit Menschen, die ähnlich schräg drauf sind und entweder schon Freunde sind – oder noch werden.

Die Strecke wurde im Frühjahr möglichst abseits von bewohnten Gebieten, dafür mit großem Sinn für Qualen trassiert und blieb bis zu einer Woche vor dem Start geheim. Wegen der Reisebeschränkungen durch die Covid-Pandemie musste das Rennen in den Herbst verlegt werden und da änderten sich zum Teil die Streckenbedingungen, aber leider dünnte sich Starterfeld etwas aus: nicht jeder, der sich für den Termin im Frühjahr angemeldet hat, hatte im Herbst auch Zeit, oder war mit neuen Reisebeschränkungen konfrontiert.

Donnerstag: Prolog
Der Prolog als „Shakedown“ am Donnerstag – Abend war ein kurzer Test für Mensch und Material. Kaum ein Starter schaffte die Orientierung nach gpx auf Anhieb perfekt. Im Zeitfahrformat ging alle 30 Sekunden ein Sportler auf die Strecke – es regnete leicht und auf der kurzen Runde durch den Wald gab es ziemlich viele verschiedene Untergründe.

Freitag: Etappe 1
Am Freitag in der Früh wurde nach dem Frühstück gleich wieder gepackt und die Organisatoren brachte das Gepäck der Teilnehmer in das Zielareal des Tages. Ab 8:30 wurde es ernst und das Peleton machte sich entlang des virtuellen Pfads über 57km und 1360hm auf den Weg. Gleich zu Beginn verfuhr sich die Spitzengruppe einige Male im Wald und die Führung wechselte gleich zu Beginn ein paarmal. Die Leistungsunterschiede verteilten aber die Teilnehmer mit größeren Zeitabständen über die Strecke, damit jeder und jede eine höhere Chance hat, sich richtig zu verfahren und auch alle Herausforderungen intensiv auszukosten. Ich habe zB. Nie zuvor einen von Brenneseln gesäumten Pfad befahren.
Einige Zeit vor meiner Ankunft gewann Martin Kadlec die Etappe in 04.03:25 vor Honza Bouda und Karl Cvalin. In der Damenwertung etablierte sich früh folgende Reihenfolge: Martina Kadlecová vor Michaela Rosová und Barbora Horsáková.

Im Ziel, in Louňovice pod Blanikem, gab es neben einer Tretrollerwaschstation auch eine warme Suppe und später ein wunderbares Gulasch von Lada Bartunek dem Älteren. Bier gab es in ausreichender Menge und um das Lagerfeuer versammelten sich die begabten Musiker unter den Rollerfahrern und viele vergaßen, dass am nächsten Tag die Königsetappe am Programm steht.

Samstag: Etappe 2
Die Etappe am Samstag war mit 74Km und 1570hm die größte Portion und so konnten Fahrer und Fahrerinnen außerhalb der Top 10 schon um 7:00 starten, um nicht zu sehr in die Dunkelheit zu kommen. Eine Stunde später startete das restliche Peleton und nachdem es zuerst recht lang bergauf ging, war schon der Beginn selektiv. Das Höhenprofil glich einem Sägezahn und vielfach habe die Schlägerungen im Wald die Wege entweder in Gatschpisten verwandelt – oder mit Holzresten völlig zugedeckt. Vielfach musste man den Roller auch auf ebenen Abschnitten tragen. Ein Hammer war, mit welchem Tempo mache Teilnehmer abfahren – ich bin des Öfteren hinter Jakub Bostl abgefahren, der wohl eine eigene Art Physik gepachtet hat. Als der Kilometerzähler ins Ziel unter 10 fiel wurde es erst ernst: Die Strecke führte über den kleinen Blanik, dann über den großen Blanik, einen sagenumwobenen Wallfahrtberg auf den sich der Sage zufolge die hussitischen Reiter zurückgezogen haben, um das tschechische Volk in Zeiten höchster Not zu retten. Diese Zeit ist seither noch nicht gekommen.
Es ist ziemlicher Blödsinn die Strecke über diesen Berg zu führen, denn zum Gipfel ist es super steil und dieser ist übersät mit großen Steinen, sodass fast alle den Tretroller auch abwärts tragen mussten. Auf jeden Fall war es episch und daher wäre es echt schade gewesen den Gipfel auszulassen 😉
Nach nur 5:32:29 erreichte Karl Cvalin – eine Sekunde vor Martin Kadlec das Ziel. Dritter wurde Vojta Hruza. Die schnellste Dame der Etappe war abermals Martina Kadlecová in einer Zeit von 7:06:25 vor Michaela Rosová und Barbora Horsáková. Mit 12:49 Stunden Fahrzeit kostete das Ehepaar Votruba den Tag maximal aus. Das Abendprogramm war ähnlich anregend wie am Vorabend – nur die zunehmende Ermüdung war überall spürbar.

Sonntag: Etappe 3
Über weitere 51 km und ca. 1000hm führte die Strecke am letzten Tag zurück zum Ausgangspunkt. Die Möglichkeit früher zu starten wählten wieder einige und es muss sehr kalt gewesen sein – um 8:00 hatte es zwei Grad und die Landschaft war von Reif überzogen. Das sieht natürlich sehr schön aus, aber selbst wenn man die Kälte überwindet hat man das Problem, dass es im Gelände unter den Schuhsohlen ziemlich rutschig wird. Schieben gehört zum Crossrollern einfach dazu. Die Etappe war vom Gelände her am ehesten fahrbar – stellte aber alle Teilnehmer vor die größte Hürde: man mußte den Fluß Sazava überwinden. Es gibt eine Fähre und es war nicht verboten diese zu nutzen – aber Honza Vlašek hat an die Ehre der Etapak-Teilnehmer appelliert und das Mediateam an der Furt postiert: durch den Fluß war es weit, kalt, tief und an manchen Stellen war die Strömung auch recht stark. Wenn man das andere Ufer erreicht hat, war es ins Ziel noch einige Kilometer.
Diese Etappe gewann Tomaš Pelc in 03:51:18, der wiederholt Probleme mit den Defekten hatte und alle Ansprüche auf ein gutes Gesamtergebnis aufgeben musste. Nur wenige Sekunden später erreichte Karl Cvalin und Martin Kadlec ex aequo das Ziel. Bei den Damen gewann wiederum Martina Kadlecová in einer Zeit von 05:10:17 knapp vor Michaela Rosová und Barbora Horsáková.
Nach der Ankunft aller in der Wertung verbleibenden Teilnehmer haben wir alle Leistungen in einer familiär feierlichen Atmosphäre gefeiert.
Jeder hat, unabhängig von der Platzierung, sein Bestes versucht und der Geist des ursprünglichen Etapak ist mehr als würdig aufgelebt.

Hier die Gesamtwertung:

Herren M1
1. Martin Kadlec (CZK) 13:40:26
2. Karel Cvalín (CZK) 13:47:49
3. Jan Bouda (CZK) 14:12:06

Herren M2
1. Rodger Hulsebos (NED) 15:28:20
2. Václav Bořík Houška (CZK) 15:55:11
3. Jan Burian (CZK) 16:45:21

Damen
1. Martina Kadlecová (CZK) 17:38:48
2. Michaela Rosová (SK) 17:53:54
3. Barbora Horsáková (CZK) 20:14:02

Teams
1. PSP KK Plzeň 1Tag + 3:28:15
Martin Kadlec (CZK)
Karel Cvalín (CZK)

2. Kicking Dutchmen 1Tag 5:57:14
Vincent Gooiker (NED)
Rodger Hulsebos (NED)

3. Old Black 1Tag 6:15:02
Jan Bouda (CZK)
David Pašek (AUT)

Ausblick
Falls keine weiteren Pandemien oder Ähnliches die Welt durcheinander bringen, sollte der Etapak – cil neznamy II am 27. April 2022 von Chlumu u Třeboně aus zu neuen Zielen aufbrechen. Das Starterfeld ist auf insgesamt 50 Plätzen beschränkt und nachdem alle, die den ersten Jahrgang absolviert haben, Vorrang bei der Anmeldung haben, sind schon rein rechnerisch nur mehr wenige Startplätze verfügbar.

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