, ,

Crossing Cyprus 2017 – Bericht

(c) Jiří Sejkora

Crossing Cyprus 2017
vom Bad der Aphrodite bis zum Kloster des Apostels Andreas
Zypern ist die drittgrößte Insel des Mittelmeers und nach einem Putsch in der Mitte der  70iger Jahren, in einen griechischen und einen türkischen Staat geteilt. Nikosia ist die letzte Hauptstadt Europas, durch die eine Grenze verläuft. Das Vorhaben der internationalen Gruppe an Tretrollerfahrern war die grenzüberschreitende Überfahrt vom westlichsten zum östlichsten Punkt – nonstop – und so schnell als möglich. Die Idee für die symbolische Fahrt von Menschen, die alle aus Staaten stammen deren Geschichte durch Teilung und Isolation geprägt ist, entstand gemeinsam mit der Agentur Side-tour und mit Unterstützung der NGO POST RI Cyprus und von offiziellen Stellen.

(c) Jiří Sejkora

(c) Jiří Sejkora

Die Gruppe besteht aus Elleonor Michaela Csekany und Martin Komar aus Tschechien,  Niklas Rother aus Deutschland, Jurek Milewski, Guido Pfeiffermann und David Pašek aus Österreich. Begleitet wurde das Unterfangen von Jiri Seykora vom Denik Pardubice als Journalist und Fotograf.
In kluger Voraussicht wurde die Aktion mit einem Tag zeitlichem Vorlauf und Nachlauf geplant um den Sportlern auch die Akklimatisation zu ermöglichen. Dabei überraschte die Athleten nicht nur der Linksverkehr, ein Erbe der Zeit als Zypern eine englische Kolonie war, aber auch die liberale und entspannte Lebensweise. Organisatorisch war von Franz Bauernhofer, dem Initiator der Fahrt an alles gedacht worden. Am Samstag hatten wir Gelegenheit einen Eindruck von Nikosia zu gewinnen und konnten im Rahmen einer Pressekonferenz Tretroller erklären. Auf Türkisch ist  das ein Ayak Bisiklet. Das Interesse ging so weit, dass demnächst ein Roller nach Zypern versandt wird und die Aktion “Crossing Cyprus 2017” auf die Titelseite der auflagenstärksten lokalen Zeitung kam.

(c) Jiří Sejkora

Pressekonferenz in Nikosia (c) Jiří Sejkora

Wegen des früh angesetzten Starts durch Transfer und Zeitverschiebung ging es nach einem recht feierlichen Abendmahl mit Blick auf das Meer und den letzten Vorbereitungen früh zu Bett.
Um am Ostersonntag um 6:00 starten zu können fuhr der Kleinbus um 4:00 vom Hotel weg um das Team am westlichsten  Stück Asphaltstraße – beim Bad der Aphrodite im griechischen Teil der Insel – abzusetzen. Mit Sonnenaufgang ging es los und ab dem Start kämpfte Ella mit der hinteren Bremse Ihres Rollers. Gentleman und sicher stärkster Athlet der Expedition,  Niklas Rother,  überließ Ihr seinen handgefertigten Roller aus Karbon und fühlte sich am gelben  Kickbike an seine Jugend erinnert. Nach einem ersten Defekt bei Martin begann der Aufstieg durch das Troodosgebirge. Eine spektakuläre Berglandschaft mit Steigungen bis zu 12%. Als Grenzgebiet wird der Bereich aber militärisch streng  bewacht und um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen, hielten wir uns mit der Dokumentation zurück.

(c) Jiří Sejkora

(c) Jiří Sejkora

Der Übergang an der griechischen Grenze kostete unerwartet Zeit, denn statt wie abgemacht, einfach durchgewunken zu werden, standen die Tretrollerfahrer ohne Pässe am Grenzbalken. Der Grenzbeamte fand es ehh ganz schrullig, aber Pflicht ist Pflicht. Das Niemandsland hat eine Breite, wie  es manche von uns  vom eisernen Vorhang kennen und die Einreise nach Nordzypern ging fix. Von da an wurden die Tretrollerfahrer mit Polizeieskorte bis ans Ziel begleitet, wobei die Fahrzeuge jeweils an den Bezirksgrenzen abgewechselt wurden.

Schon am späten Vormittag erreichte das multinationale Team die Messaria Ebene und die Temperatur stieg spürbar an und es gab auch auch leichten Gegenwind.

(c) Jiří Sejkora

(c) Jiří Sejkora

Pausen wurden am Straßenrand eingelegt um Kalorien und Flüssigkeit zu ergänzen – jeweils so kurz als möglich, aber zu sechst dauerte es immer länger als erhofft. Schon vor Hälfte der Distanz stellten sich bei manchen die ersten Krämpfe in den Beinen ein, denen mit Salz und Magnesium begegnet wurde.

Das Begleitteam folgte der Gruppe mit dem Auto und führte den live-blog und kümmerte sich um die Bedürfnisse jener, die am Trittbrett standen. In Summe etwa 60 Bananen, große Mengen an Halumi, 40 Liter Wasser und mit zunehmender Dauer der Fahrt auch Cola.

(c) Jiří Sejkora

(c) Jiří Sejkora

Gegen Osten durchquerte die Gemeinschaft nach und nach weniger bewohntes Gebiet, das landschaftlich viel zu bieten hatte: die Route führte am Fuße des Kyreniasgebirge, als auch Fünffingergebirge bekannt.  Es ging im welligen Terrain dahin und als zu dämmern begann, erklärte das Support Team jede Steigung für die jeweils  letzte Nennenswerte. Bei einem Stand von 1600 Höhenmetern am gps – Tacho konnten sich die Fahrer nicht vorstellen, dass es bei dem Profil, das vor Ihnen lag, noch viel mehr wird, aber man kann sich ja auch ordentlich täuschen: die Route querte den Gebirgszug und führte an der Südküste gegen Osten.

Für die Nacht gab es von der Polizeieskorte exakte Anweisungen, in welcher Formation gefahren werden soll, um die Sicherheit am Besten gewährleisten zu können und um die Verschiedenartigen Vorder- und Rücklichter am Besten einzusetzen. Niklas ist überhaupt davon ausgegangen, dass wir bei Tageslicht unser Ziel erreichen, weshalb er sich vorne nur mit einem Positionslicht ausgestattet hat – aber in der Mitte des Pelotons war er sicher und sah auch genug.
In absoluter Dunkelheit und einige dutzend Kilometer vor dem Ziel wurde intern verhandelt, wo das tatsächliche Ziel sein soll: entweder in der letzten Ortschaft oder tatsächlich am Kloster des heiligen Andreas, zu dem nur eine schlechte Straße führt, deren Asphalt sich schon gänzlich aufgelöst hat. Aber wenn schon – denn schon – es war klar, dass die lange und konsequente Route jene war, die zur Expedition passt.

(c) Jiří Sejkora

(c) Jiří Sejkora

Tatsächlich war die Straße immens schlecht und die Unterseiten  der Trittbretter streiften alle paar Meter und es wurde ein langer finaler Test für die Tretroller: alle Reserveräder waren schon verbraucht und die Polizeieskorte mit Blaulicht verlor sich irgendwo in der Ferne in der Dunkelheit. Im Dunklen lag auch das Meer und nur Geruch und Schilder die verschiedene Strände anpreisen, verraten den erschöpften Sportlern die Tatsache. Angeblich leben um das Kloster Apostolos Andreas, wilde Esel – aber die wurden in dieser Nacht nicht gesichtet.

Nach 16h 45min erreichen alle , die sich an den Start gestellt haben auch das Ziel. Erschöpft aber glücklich fallen sich Athleten und Betreuer in die Arme – erstmals wurde Zypern  mit dem Tretroller von West nach Ost  durchquert – 275,4km und 3063hm. 16,4km/h ist der Schnitt über die gesamte Zeit – in Bewegung ergibt sich der beachtliche  Schnitt von 19,2km/h. Hier die gps Aufzeichnung.
Am Tag nach der Fahrt wurde die Regeneration ganz ernst genommen – und an der zypriotischen Küste und mit der zypriotischen Küche geht das besonders gut.

(c) Jiří Sejkora

(c) Jiří Sejkora

 

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Den gesamten Zypern Bericht kannst du hier bei Tritt.at nachlesen […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.